BUND Regionalverband Neckar-Alb
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Wegfall der PWC-Anlage (Juli 2021) - ein kleiner Lichtblick

Engagenment gegen die B27 lohnt sich (doch)!

Das Regierungspräsidium Tübingen gibt dem Druck und den Argumenten der Umweltverbände und der Initiative für eine nachhaltige Mobilität im Steinlachtal nach und streicht die LKW- (PWC-)Rastanlage direkt an der Grünbrücke der geplanten B27neu. Details hier.

Der Wegfall dieser Anlage ändert allerdings wenig daran, dass die geplante vierstreifige B27-Endelbergtrasse hinsichtlich Klimabelastung und Landschaftsverbrauch grundsätzlich "von gestern" ist. Der Widerstand geht weiter...


 

Bundesweite Mobilitätstage - Raddemo gegen die geplante B27 neu

Das Bündnis nachhaltige Mobilität Steinlachtal (BnMS) rief zur Teilnahme an den deutschlandweiten #Mobilitätstagen auf. Gut 110 Radler*innen folgten trotz "Amphibienwetters" dem Aufruf. Sie konnten dafür ausnahmsweise auf einigen Abschnitten die B27 zwischen Tübingen und Ofterdinge nutzen anstatt den streckenweise schlecht ausgebauten, durch Straßen unterbrochenen Radweg.

Eine Folge des Straßenwahns: Neue, flachenfressende Gewerbegebiete mit top Straßen-  aber null Bahnanschluss, wie die "Untere Breite" in Dusslingen (s. Foto), geplante Gewerbeflächen in Nehren und Mössingen usw. Aber hey, diese Gewerbegebiete sollen laut Politikersprech klimafreundlicher werden als die bisherigen,  die Betriebe würden sorgfältig ausgewählt und vielleicht wird sogar etwas Gebäudebegrünung eingeplant!

Die Redner*innen der Fridays und der ParentsFF,  des BUND und des BnMS forderten u. a. den Ausbau der #Regionalstadtbahn anstatt Straßenwahn um Ernst zu machen mit Klimaschutz und Bewahrung von Lebensräumen, zumal der Eingriff durch den Neubau der B27 nur unzureichend ausgeglichen werden kann.

Die Straßen-Planungsmaschinerie des RP Tübingen,  gedeckt durch den neuen grün-schwarzen Koalitionsvertrag, muss gestoppt werden!

Redebeitrag von Barbara Lupp/ BUND

Redebeitrag von Sabine Mall-Eder/ Netzwerk Streuobst

Stellungnahme von BUND und LNV


 

"Spaziergang", Fachexkursion und Dikussionsrunde, Leserbrief

...und offizielle Stellungnahme von BUND und LNV

Foto: Lupp

Von Kreativität und Sachkenntnis geprägter Sonntagsspaziergang mit rund 120(!) Teilnehmer*innen bei Ofterdingen. An dieser Info- und Protestveranstaltung gegen die "Endelbergtrasse"- der aus der Zeit gefallenen, vierspurigen Variante, welche am meisten Natur- und Naherholungsraum zerstören oder beeinträchtigen würde - nahmen u. a. Familien, Vertreter*innen des NABU und anderer Naturschutzvereine, des Obstbaus und der Landwirtschaft, der Linken und weiterer Parteien teil.

Hans-Jürgen Müller vom NABU Nehren kritisierte, dass niemand von der Planungsbehörde bereit sei, an einer Infoveranstaltung teilzunehmen, obwohl die Öffentlichkeitsbeteiligung des Regierungspräsidiums zum Planfeststellungsverfahren bisher nicht nur coronabedingt "sparsam" ausfiel. Er äußerte außerdem Zweifel an den Kalkulationen des RP (bisher rund 105 Mio Euro für knapp 7 km) und an der Sinnhaftigkeit einer "Fledermausbrücke" direkt neben der geplanten LKW-Rastanlage. Barbara Lupp vom BUND RV Neckar-Alb forderte zum Einspruch bis 2.10. auf - dieser sachlich begründet aber nicht perfekt formuliert sein.

Auftritt Jakob Nacken: Die Aussage "Ich habe nichts gegen die Natur, sie muss sich nur an mich anpassen" sowie die nicht zitierfähigen Standpauken von Feldlerchen, Wanstschrecke und anderen bedrohten Arten sorgten trotz oder gerade wegen des ernst-frustrierenden Anlasses für lautes Gelächter.

Am 17.September folgten eine Fachexkursion und eine ausgebuchte Diskussionsveranstaltung mit dem Stadt- und Verkehrsplaner Prof. Monheim. Erfreulicherweise war die Regionalpresse bei den hervorragenden Präsentationen der Bündnismitglieder vom Artenschutz bis zum Lärmschutz gut vertreten.
Monheim ermutigte die Teilnehmer*innen:"In Krisenzeiten lernen manche Verwaltungen, sogar  bei fortgeschrittenen Planungen umzuplanen". Und er kritisierte, dass hier wohl immer noch versucht werde, die Welt "LKW-gerecht" zu machen, während der Personenverkehr und der Gütertransport auf der Schiene (und für kurze Strecken in Postbussen) gezielt zurückgebaut wurden. Die Teilnehmer*innen zeigten kein Verständnis dafür, dass die geplante Regionalstadtbahn (RSB) in den Verkehrsberechnungen des RP offensichtlich nicht berücksichtigt wurde und somit die Gefahr besteht, dass ihr Kosten-Nutzen-Verhältnis nach dem Neubau der B27 erheblich sinken werde. Wo bleibt der Widerstand des RSB-Zweckverbands gegen so viel "Nachlässigkeit"?
Bei der Verkehrsprognose für die B27 wurden außerdem weder die Digitalsierung (mit zunehmender Anzahl an Homeoffice-Plätzen) noch die Entzerrung der Arbeitszeiten einkalkuliert - die Planung ist eben aus dem letzten Jahrtausend!

Auf Kritik stieß außerdem, dass der Bauträger die Kosten der Zerstörung von rund 27 ha Natur und Landschaft mit ihren zahlreichen Funktionen nicht monetarisiert und einberechnet. In diesem Zusammenhang bezweifelten Vertreter*innen von Naturschutz und Landwirtschaft, dass Ausgleichsmaßnahmen immer zum Erfolg führen, diese aber der Landwirtschaft "garantiert" Produktionsfläche entziehen würden.

Monheim forderte nicht nur für die B27 sondern für alle der zahlreichen Bundesstraßen- und Autobahnausbauprojekte in Deutschland eine Klimaverträglichkeitsprüfung. Er berichtete von für Bürgermeistern und Straßenplanern, die die Anwohner*innen von Bundesstraßen so lange leiden lassen würden, bis es keinen Widerstand mehr gegen die "große" Lösung gäbe. Obwohl es durchaus machbar sei, Bundesstraßen innerörtlich mit wenigen Mitteln und in kurzer Zeit menschenfreundlicher (breiter Mittelstreifen, Baumpflanzungen, Querungshilfen, Tempo 30) umzugestalten.
Wer Straßen baut, der erntet Verkehr und muss weiter bauen - ein Teufelskreis! Aber gleichzeitig gelte, so Monheim, dass der Rückbau oder die Sperrung von Straßen zum Rückgang von Verkehr führen könne, da dann weniger Leerfahrten, Freizeitfahrten (rund 50% des Verkehrsaufkommens!) und eine Verlagerung  auf den (natürlich auszubauenden) ÖPV und aufs Rad (bei gutem Radnetz) - schließlich sind rund 50% der Fahrten kürzer als 5 km - erfolgen würde.

Monheim machte deutlich, dass für ihn die vierspurige Tunnellösung nur die Ultima ratio sei. Denn Tunnel seien in Bau und Unterhalt teuer, Zu- und Abfahrten kompliziert, ein Eingriff in Grundwasser und in Ofterdingen vermutlich auch in die Steinlach notwendig. Bei der Besichtigung des bereits ausgebauten, untertunnelten B27-Abschnitts (in Dusslingen, wo die Gemeinde auf einen Tunnel anstatt einer Umfahrung bestanden hatte!) wurde offensichtlich, welche Folgekosten nicht nur beim Tunnelbau entstehen: Dieser Abschnitt ist teilweise gesperrt, weil bereits  nach rund 8 Jahren der teure "Flüsterasphalt" erneuert werden muss und die Lärmschutzwände der Tunnelzufahrt bröckeln.

Aufgrund der Doktrin des vierspurigen Ausbaus (den das RP bei der B 27, jedoch nicht z. B. bei der ähnlich belasteten B 28 zwischen Tübingen und Rottenburg anwendet!), wird vom RP auch eine an den regionalen Ziel- und Quellverkehr angepasste, kostengünstigere 2+2-Lösung abgelehnt.

Aus dem Publikum kam ein spannender Vorschlag zum direkt neben einer Grünbrücke geplanten LKW-Parkplatz: Im Steinlachtal werde (leider) ein Gewerbegebiet nach dem anderen gebaut oder vergrößert. Und bedauerlicherweise erschöpfe sich das "Mobilitätskonzept" der angesiedelten Firmen meist im Bau von großen, autoverkehrfördenden Parkplätzen. Diese stünden abends und nachts leer. Könnten nicht einige davon mit WC versehen und als Abstellplätze für LKW fungieren (wobei die LKW-Fahrer selbst ja nicht im LKW nächtigen müssen!)?

Auch dem Steinlachtal droht, dass es aufgrund der vierspurigen Endelbergtrasse mit 14 Brücken, Auffahrten, Parkplätzen, von einer Landschaft mit Straße zu einer verlärmten und verbauten Straßen-Landschaft verkommt. Aber der Widerstand dagegen - den es übrigens schon einmal in den 90iger Jahren mit der Initiative "Steinlach mobil" gab -  wächst! Nicht zuletzt hat sich der Gemeinderat Nehren einstimmig gegen die Endelbergtrasse ausgesprochen.

Weitere Infos und Termine hier


 

Unsere Stellungnahme zur B27

Foto: Claudia Jochen/ Bündnis B27neu

Unsere Stellungnahme findet man hier.


 

Leserbrief des BUND zum Artikel des "Schwäbischen Tagblatt" zur B27

Das "Schwäbische Tagblatt" veröffentlichte am 09.10.2020 den Artikel "Rund 500 Rückmeldungen zur Endelbergtrasse".

Hierauf wurde folgender Leserbrief von uns verfasst:

Korrektur am Anfang: Drei Umweltverbände, nämlich NABU, LNV und BUND haben Stellung bezogen. Im Tagblatt sind zahlreiche Gründe gegen die vom RP Tübingen favorisierte natur- und landschaftsfressende  Endelbergtrasse aufgeführt. Zwar können  viele vom Neubau der B 27 verursachten Schäden formal ausgeglichen werden. Man darf sich jedoch nicht der Illusion hingeben, dass sich irreversibler Flächenverlust, Lebensraumzerschneidung, Bodenzerstörung, Eingriff in den Wasserhaushalt (in Zeiten des Klimawandels mit zunehmender Unwettergefahr und langen Trockenperioden fahrlässig!) und Verlärmung insbesondere bei Nehren, Bästenhardt und Mössingen "reparieren" lassen. Vielmehr läuft das Steinlachtal Gefahr, durch die Endelbergtrasse von einer Landschaft mit Straße zu einer Straßenlandschaft zu verkommen. Eine Folge: Manche/r wird zur Naherholung erst einmal ins Auto steigen - rund 50% der mit dem PKW zurückgelegten Personenkilometer sind Freizeitverkehr - um anderswo Natur und Ruhe zu genießen. Der BUND kritisiert in diesem Zusammenhang, dass im Steinlachtal genauso wie schon im Neckartal der Straßenbau Vorrang vor dem Ausbau der Regionalstadtbahn hat: Autofahren wird attraktiver, der Bahnausbau unrentabler. Dazu passt, dass vielen Firmen im Steinlachtal ein umweltfreundliches Mobilitätskonzept fehlt. Die  wachsenden Gewerbegebiete - allein der Zollernalbkreis will dafür in den nächsten Jahren über 100 ha ausweisen -  beanspruchen durch ebenerdige, große Parkplätze unmäßig viel Fläche.


 

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