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Schmetterlingsexkursion im Bühler Tal mit NABU und UWZ Tübingen

Mehr Vielfalt als gedacht

Am 14. Mai 2022 waren Bedingungen zum Beobachten von Tagfalterndie bei frühsommerlichen Temperaturen und Sonnenschein ideal. Trotzdem warnte die Exkursionleiterin Antje Trapp-Frank zu Beginn vor übertriebenen Hoffnungen, denn bei ihrer Vorexkursion fand sie nur einzelne Exemplare weniger Arten.
Die Ursachen des Abwärtstrends (auch) bei den Schmetterlingen waren vielen Teilnehmer*innen bereits bekannt: Intensive Landwirtschaft mit Einsatz von Pestiziden, aufgedüngten, artenarmen (Löwenzahn-)Wiesen, zu häufige und schnelle Mahd großer Flächen, zu wenig Rückzugsorte (z. B. extensiv genutzte, breite Ackerraine). Hinzu kommen montone, insektenfeindliche Grünflächen in Siedlungen und natürlich die irreversible Zerstörung von nektar- oder raupenfutterliefernden Wiesen, Hecken usw. durch Überbauung.

Während wir am Ortsrand von Bühl einem artenarmen Grasacker betrachteten, wurden die Wiesen am Rand des Naturschutzgebietes Bühler Tal durch Margeriten, Skabiosen, Glockenblumen, Klappertopf und Wiesensalbei bunter und die Schmetterlinge (früher auch "Sommervögel" genannt) erfreulicherweise zahlreicher als erwartet.

Nach gut einer Stunde Aufenthalt in der Sonne war ein Ausflug in einen kühlen, naturnahen Mischwald entlang des Traufbachs am Rammertrand eine willkommene Abwechslung. Nicht nur im Offenland sondern auch im Wald bzw. in Waldlichtungen leben Falter wie z. B. der Kaisermantel oder das Waldbrettspiel, dessen Männchen sein Revier auch gegen artfremde Falter oder sogar Menschen verteidigt, so Antje Trapp-Frank.

Die Exkursionsleiterin schilderte anschaulich, erstaunliche Anpassungen z. B. des Tagpfauenauges (Stichworte: Mimikry und Mimese) um Fressfeinden zu entgehen, die Eierlegestrategien (Streuablage oder sorgfältige einzeln angeklebt wie beim Aurorafalter) verschiedener Arten und das Wunder der Metamorphose von Raupe über Puppe zum aus wenigen Zellen neu "konstruierten" Falter.
Während die Unterscheidung zwischen Tagfalter (Fühler mit Keulen) und Nachtfalter (ohne Keulen) noch einfach ist, scheint die Einteilung in Edelfalter oder Augenfalter nicht immer plausibel und systematisch.

Wichtig zu wissen: Raupen verschiedener Arten haben sich auf die bei Menschen eher unbeliebte Brennnessel als Futterpflanze spezialisiert. So sind z. B. die Raupen des Kleinen Fuchses, des Tagpfauenauges und des Admirals Mitglieder des "Brennnesselclubs". Deshalb: Brennnesseln sowohl an schattigen wie an sonnigen Standorten zumindest stellenweise stehen lassen!

Antje Trapp-Frank erläuterte, dass der Klimawandel es Mittelmeerarten wie dem Karstweißling erleichtert hier heimisch zu werden, aber auch dazu führt, dass manche Falter bzw. Raupen die dazugehörige Futterpflanze "verpassen". Auch hier gilt: Umso größer und weniger zerschnitten die Lebensräume, desto stabiler und anpassungsfähiger die Populationen und desto leichter die Möglichkeit zu geeigneteren Flächen zu wandern.

Dank einer Spinnenfachfrau ("ich bin Anfängerin") unter den Teilnehmer*innen konnten wir außerdem ein Exemplar von Heliophanus spec. (Sonnenspringer) und weitere Spinnen in der Becherlupe bewundern.

Empfehlenswerte Seite zur Bestimmung (und mehr) von Faltern: www.schmetterling-raupe.de/

Tipp der oben erwähnten Teilnehmerin zu Bestimmung von Spinnen: https://forum.arages.de/

 

Artenliste (alphabetisch):

- Aurorafalter (Anthocharis cardamines)

- Hauhechelbläuling und weitere Bläulinge (Polyommatus icarus

- Kleines Wiesenvögelchen (Coenonympha pamphilus)

- Landkärtchen (Araschnia levana)

- Mauerfuchs (Lasiommata megera)

- Tagpfauenauge (Aglais io)

- Waldbrettspiel (Pararge aegeria)

- Zitronenfalter (Gonepteryx rhamni)

Außerdem: Wollschweber (hummelartige Fliegen, die an andere Insekten parasitieren) (Bombyliidae), ein Käferengerling, verschiedene Spinnen

 

Bericht: Barbara Lupp, Fotos: Antje Trapp-Frank, Tatjana Tull, Wenke Wagner

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