Garten und Balkon: Naturnah, insektenfreundlich und natürlich torffrei

Tipps und Ideen für bunte & artenreiche Gärten und Balkone

Warum macht naturnah gärtnern Sinn?

Foto einer Blüte, auf der mehrere Hummeln sitzen Foto: Lupp

Sobald der Frühling vor der Tür steht, fängt es an in den Fingern zu jucken: Man kann es kaum erwarten im Garten, auf dem Balkon oder auf der Terrasse aufzuräumen, zu pflanzen, zu buddeln und zu säen.

Gleichzeitig beobachten BUND-Aktive, dass in unseren Siedlungen selbst sogenannte Allerweltsarten wie z.B. Igel, Zaunkönig, Schwalbe oder Aurorafalter auf dem Rückzug sind. Es sind immer weniger Stimmen im Vogelkonzert im Frühling zu hören, man kann in manchen Neubaugebieten froh sein, wenn man wenigstens Amsel oder Kohlmeisen zwitschern hört. Auch das Flattern und Summen wird weniger, laut dem Bundesministerium für Umwelt sind 42 Prozent der Insektenarten auf den Roten Listen bestandsgefährdet, extrem selten oder ausgestorben. Innerhalb der jeweiligen Arten ging die Gesamtanzahl der Tiere um teils dramatische 80 Prozent zurück.

"Bunte und wilde" Gärten und Balkone können diesem Trend zumindest in Siedlungsgebieten entgegenwirken. Sie bieten Nahrung und Unterschlupf für Insekten, die nicht zuletzt eine wichtige Nahrungsquelle für unsere Vögel und andere Tiere darstellen. Außerdem sind sie mit ihrer Blütenvielfalt anders als z. B. mährobotergestutzte Grünflächen eine Abwechslung auch für unser menschliches Auge und ermöglichen Naturbeobachtung direkt vor der eigenen Haus-/Balkontür. Jeder Quadratmeter, der ökologisch sinnvoll und naturnah gestaltet ist, bietet Pflanzen und Tieren einen Rückzugsraum und kann als Trittstein dienen auch im Nachbargarten einzuziehen.

Welche Pflanzen eignen sich, welche sollte ich vermeiden?

Foto einer gelb blühenden Strauchs mit einer blätterlosen Hecke im Hintergrund. Blühende Kornelkirsche (Cornus mas) im Frühjahr. Der heimische Strauch ist eine gute Alternative zur Forsythie, deren sterile Blüten ökologisch völlig wertlos sind (Foto: Lupp).

Generell gilt: Ist eine Pflanze bei uns heimisch (floristischer Status – I, indigen = einheimisch) hat sie vermutlich einen Wert für Insekten, Vögel und andere Tiere. Einfach nachgeschaut werden kann der floristische Status auf FloraWeb, ein Informationsangebot des Bundesamtes für Naturschutz (BfN). Auch die Online Pflanzen-Datenbank NaturaDB zeigt direkt an, ob es sich um eine heimische Art handelt. Hier kann für jede Pflanze auch eingesehen werden, welche Tiere und Insekten von ihr profitieren. 

Auf die Beschilderung in Baumärken und Gartencenter sollte man sich keinesfalls verlassen! Hier werden unter dem Label insektenfreundlich auch sterile, invasive und ökologisch völlig nutzlose Zuchtsorten angeboten.

Dabei ist die Auswahl an schönen und gleichzeitig Pollen oder Nektar liefernden Pflanzen groß! Blütenreiche Stauden, einjährige, heimische Wildblumen oder alte Zuchtsorten anstatt mit Pestiziden vorbehandelte, sterile Gartencenter-Pflanzen sind hier das Mittel der Wahl. 

Wichtig ist, dass es sich um Pflanzen handelt, deren Blüten und/oder Spross Nahrung liefern und als Unterschlupf dienen können. Gefüllte, pollen- und nektarlose Pflanzen wie Zuchtrosen oder die sterilen Forsythien bieten dagegen keine Nahrung und gehören nicht in einen naturnahen, lebendigen Garten. Ist die Pflanze heimisch, hat ungefüllte Blüten und ist nicht steril, ist sie in der Regel also eine gute Wahl. Ganz so eng sehen muss man es allerdings nicht - auch viele Neophyten (nach 1492 eingeführte, gebietsfremde Arten) haben einen enormen Wert für Insekten und sind längst bei uns etabliert, wie z.B. der frühblühende Krokus. Nur invasiv sollte die Pflanzenart natürlich nicht sein. 

Auch viele Kräuter- und Gemüsesorten sind wichtige Nahrungslieferanten. So ist etwa der Gemüsefenchel eine der wichtigsten Raupenfutterpflanzen für den Schwalbenschwanz, einer unserer größten Tagfalter. Der BUND Landesverband BW empfiehlt außerdem bei Gemüse und Kräutern auf "samenfeste" (Bio-)Sorten zu setzen, statt Inzucht-Hybrid-Saatgut zu kaufen, das man nicht selbst vermehren kann. 

Mit zunehmender Verschärfung der Klimakrise kann es außerdem Sinn machen, gleich zu trockenheits- und hitzeresilienten Pflanzen zu greifen – das erspart einem viel Frust, Geld, Zeit und Gießwasser. Listen mit geeigneten Pflanzen für unterschiedliche Standorte findet man auf der Website des Naturgarten e.V.

Zahlreiche Pflanz- und Gestaltungsvorschläge für Garten, Kübel und Blumenkasten gibt es in der Linkliste am Ende dieser Seite.

Welche Strukturen kann ich anlegen?

Foto eines Sandariums: Eine kleine Sandfläche im Garten umrahmt von großen Steinen Der Großteil der Wildbienenarten nistet im Boden. Unbewachsene, offene Stellen in der Wiese oder ein solches Sandarium kann diesen Arten einen Nistplatz bieten (Foto: Hohlweck/BUND Franken)  (Hohlweck)

Die eine mag´s karg und sandig, der andere üppig und humos: Vielfältige Lebensräume ziehen genauso vielfältige Bewohner*innen an. Steinhaufen, Hecken aus heimischen Sträuchern, Totholzhecken, offene Stellen im Boden und kleine, fischfreie Teiche lassen keine Wünsche offen. Welche Möglichkeiten es gibt und wie´s genau geht, lässt sich im Artikel „Bausteine für Ihren naturnahen Garten auf der Website des LBV nachlesen. Und wer keinen großen Garten hat, kann auch auf wenig Platz viel bewirken: Hier kann einfach alles eine Nummer kleiner sein.

Auch für´s menschliche Auge und Wohlbefinden ist hier viel zu holen: Lebendige Grundstücksbegrenzungen lassen sich mit duftenden Wildrosen, Weiden, Hainbuchen oder anderen einheimischen Gehölzen anstatt mit toxischer Thuja oder Kirschlorbeer gestalten. Wer noch mehr für tierisches Leben und außerdem was für das Gebäudeklima tun will, begrünt die Hausfassade und das Dach 

Wie pflege ich sinnvoll?

Foto eines schmalen Vorgartens mit einem weißen Haus im Hintergrund. Im Garten stehen viele halbhohe Pflanzen. Dazwischen ragt ein sehr hoher, gebogener und brauner Stängel einer Königskerze hervor. Der trockene Stängel einer verblühten Königskerze bietet wichtige Nistmöglichkeiten für Wildbienen, wie z.B. Keulhorn- oder Mauerbiene. Nach dem Absterben der Pflanze dauert es noch weitere zwei Jahre, bis die nächste Generation an Wildbienen schlüpft (Foto: Wutz)

Ökologisch und nachhaltig gärtnern heißt oft: Nichts tun. Etwas naturnahe Unordnung anstatt ein tip-top gepflegter Garten fördert das natürliche Gleichgewicht. Ein passender Standort und natürliche Gegenspieler (z. B. Meisen und Schwebfliegen gegen Blattläuse) fördern zudem Pflanzengesundheit und Wachstum. 

Was wir oft als „Unkraut“ betrachten und gedankenlos herausreißen, ist für viele Insekten wichtiger Lebensraum und Nahrung. Disteln, Wilde Möhre, Brennnesseln oder Löwenzahn sind eine wertvolle Kinderstube und ein reich gedeckter Tisch für zahlreiche Insekten und deren Larven. Über den Winter stehengelassene Stauden stellen dann in der kalten Jahreszeit die Überwinterung sicher. In vertrockneten und abgestorbenen Pflanzenteilen schlummert oft im Verborgenen das bunte Flattern des folgenden Frühlings. 

Für die Bewässerung lohnt es sich selbst Wasser zu speichern - wer eigenes Regenwasser aus Fässern oder Zisternen verwendet, spart wertvolles Trinkwasser. In den immer länger werdenden Trockenphasen, unterbrochen durch oft kurze Starkniederschläge, ist das eine einfache, aber wichtige Maßnahme! 

Auch bei der Pflege von Wiesen- und Rasenflächen kann man einen rießigen Unterschied machen und für mehr Artenreichtum sorgen. Gerade einmal ein Quadratmeter einer gut gepflegten und mageren Wiese kann Lebensraum für bis zu 60 verschiedene Pflanzenarten und 1.500 Insekten- und Spinnentiere sein! Um das zu erreichen, ist in erster Linie der Verzicht von Dünger elementar. Je magere eine Fläche, desto mehr Arten finden sich. Gemäht werden sollte nur zweimal im Jahr (Ende Mai oder Mitte Juli und Ende September) und nicht zu kurz (8 - 10cm über dem Boden). Bei sehr nährstoffreichen Flächen kann auch dreimal gemäht werden. Dabei kann man auch wunderbar Wege, Liege- oder Spielflächen in die Fläche mähen, denn es sollte nicht alles gleichzeitig abmäht werden. Wer also immer ein paar Ecken und Streifen stehen lässt, garantiert weiterhin Unterschlupf und Futter für die Wiesenbewohner*innen. Um einen Nährstoffeintrag zu vermeiden, ist es wichtig das Schnittgut abzuräumen und nicht liegen zu lassen. Aber selbst bei reinen Rasenflächen gibt es Handlungsspielraum, wie unser Umwelttipp zur Rasenpflege zeigt.

Wer Laubbäume im Garten hat, kann außerdem im Herbst das Laub liegen lassen – diese Schicht aus organischer Substanz kann Insekten und Säugetiere im Winter mit Unterschlupf und Nahrung versorgen.

Den Garten winterfest zu machen bedeutet nicht “besenrein”. Sondern:  hier unsere Tipps.

Was kann ich für Tiere konkret tun?

Ohne Wasser kein Leben

Allgemein: Vielfalt schaffen, insektenfreundliche Kräuter, Stauden und Gehölze bevorzugen, Unordnung zulassen (s. oben)!

Neben Nahrung ist Wasser natürlicherweise zumindest in Form von Tau, aber gerade in heißen Zeiten auch in einer Tränke überlebenswichtig. Nicht nur für Insekten kann der “Tropfen auf den heißen Stein” einen gewaltigen Unterschied machen. Dieser durstige Rosenkäfer nimmt Wasser aus den kleinen Hohlräumen eines Sandsteins auf. (Video: BUND RV NA Schramm). 

Es sollte im Garten oder auf dem Balkon also zumindest eine regelmäßig mit Frischwasser versorgte Tränke für Vögel und Insekten bereitstehen. Mit kleinen Steinen, Ästen oder anderen „Inseln“ bestückt, wird sichergestellt, dass auch kleinere Krabbler wieder sicher aus der Tränke finden. Dabei ist es allerdings wichtig, das Wasser regelmäßig auszutauschen und die Tränke ca. einmal pro Woche mit heißem Wasser und einer Bürste zu reinigen, Seife braucht es dafür nicht. Diese Wartung ist wichtig, damit sich Bakterien, Parasiten und Pilze nicht von Vogel zu Vogel übertragen. 

Für Igel im Garten oder in der Nachbarschaft, lohnt es sich eine zusätzliche Wasserstelle aufzustellen. Die stacheligen Vierbeiner haben einen kleineren Radius als z.B. Vögel und sind besonders in den heißen und trockenen Sommermonaten vom Wassermangel bedroht. Die Tränke sollte bodennah stehen und möglichst flach und schwer sein, um ein Umkippen oder Ertrinken zu vermeiden. Für die Reinigung gilt dasselbe wie für Vogeltränken - generell ist aber jede Wasserstelle besser als gar keine!

Viel geholfen ist den Tieren im Garten auch schon, wenn man Gefahren beseitigt: Lichtschächte und andere steile Gruben können mit feinen Gittern/Netzen gesichert werden und für Regentonnen, Pools oder Teiche macht ein einfaches, rauhes Brett oder ein großer Stein zum Rausklettern einen großen Unterschied. Mehr Infos dazu gibt es in unserem Umwelttipp zu Artenschutz im Siedlungsgebiet.

Eine einfache Maßnahme ist zudem die Montage von Nisthilfen für Vögel und Insekten sowie für holzbewohnende Wildbienen.

Welche Erde ist nachhaltig?

Lassen Sie den sauren Torf (nicht selten aus Russland- oder Weißrussland!) in den CO2-speichernden Mooren und nutzen Sie stattdessen torffreie (Kompost-)Erde

Torf entsteht unter Luftabschluss im Moor und wächst extrem langsam. In einem gesunden Moor entsteht aus unvollständig zersetzten Pflanzenteilen 1m Torf in etwa 1000 Jahren! Es werden riesige Mengen an Torf, vorwiegend aus Hochmooren im Baltikum, Skandinavien und Irland nach Deutschland exportiert. Moorgebiete bieten Lebensraum für zahlreiche hochspezialisierte und bedrohte Pflanzen- und Tierarten (wie dem schmalblättrigen Wollgras, dem rundblättrigen Sonnentau oder der Libellenart Hochmoor-Mosaikjungfer). Des Weiteren stellen Moore durch die Zurückhaltung großer Mengen von Wasser einen natürlichen Wasserspeicher dar. Moorgebiete binden außerdem große Mengen an CO2, sie sind damit für den Klimaschutz unersetzlich. Moore sind also viel zu wertvoll, um sie für deutsche Hobbygärten- und Balkonbepflanzungen zu zerstören.

Obwohl Torf als "Bodenverbesserungsmittel" vollständig durch Rindenhumus, Kompost, Kokosfasern oder durch den Anbau von Gründüngungspflanzen ersetzbar ist, werden im Handel nach wie vor hauptsächlich torfhaltige Blumenerden angeboten. Handelsübliche Anzucht- oder Blumenerden bestehen oftmals aus bis zu 90% Torf.  

Teilweise werden auch Blumenerden mit einem Torfanteil von 60-80% bereits als „torfreduziert“ verkauft. Deshalb gezielt nach “torffreier Blumenerde” fragen. Für kommunale und andere öffentliche Grünflächen sollte der Einsatz von Torf sowieso tabu sein! Hier eine Empfehlungliste torffreier Bodenverbesserer des BUND (2024).

Der günstigste Weg, um gute Blumenerde zu erhalten, ist der eigene Komposthaufen oder der Thermokomposter.

Wer über die Grundstücksgrenze hinaus aktiv werden will, kann bei Gartencentern und Discountern, die immer noch, oft überwiegend torfhaltige, “torfreduzierte”, “leichte” (= mit Torf) Blumenerde im Sortiment haben, gern eine Angebotsänderung einfordern, wie dies einige BUND-Aktive bereits erfolgreich getan haben!

Foto eines Komposthaufens auf einer grünen Wiese mit einer Pflanze im Vordergrund Günstig, nachhaltig und gut: Erde aus dem eigenen Komposthaufen (Foto: Miklas Hahn)

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