BUND Regionalverband Neckar-Alb
Mitglied werden Jetzt spenden
BUND Regionalverband Neckar-Alb

Garten im Winter

Cyclamen Cyclamen  (Antje Kiepenheuer / BUND OV Ammerbuch)

Jeder kennt sie, die ersten Frühlingsboten, die schon im Winter, mit dem schmelzenden Schnee, uns im Garten überraschen:

Die Schneeglöckchen und die Märzenbecher, die wilden Alpenveilchen (Cyclamen coum) und natürlich, fast zuerst, die Winterlinge (Eranthis hyemalis)

Wir haben sie in irgendeinem Herbst sicherlich zu unserer eigenen Freude gepflanzt. Dass sie auch anderen Freude machen, hatten wir vielleicht gar nicht bedacht. Jetzt können wir staunen über die ersten Bienen, die zielsicher die geöffneten Blüten anfliegen.

Schon vorher hatten die Christrosen (Helleborus niger und H. orientalis) auf sonnige Wintertage gewartet, um die von der Kälte erstarrt hängenden Stängel wieder aufzurichten. Auch ihre weißen Blüten sind begehrte Ziele für die ersten Bienen.

Demnächst werden die Sträucher sich ans Blühen machen. Seit Kindertagen wissen wir: Die pelzigen Kätzchen der Saalweide soll man nicht pflücken, sondern den Bienen überlassen. Es ist Zeit, sich wieder daran zu erinnern!

Andere Sträucher werden folgen – wenn man sie denn im Garten hat. Als erstes kommt die zartgelb blühende, heimische Kornel-Kirsche (Cornus mas) dran. Sie ist sehr viel weniger auffällig in der Farbe als die so beliebt gewordene kräftig gelbe Forsythie. Aber dafür ist sie eine Attraktion für die Bienen, wohingegen die Forsythie von ihnen nicht aufgesucht wird! Deren Blüten produzieren weder Pollen noch Nektar. Wer weiß das schon?

Wer auch Pflanzen in seinem Garten duldet, die nicht einheimisch sind, der kann sich am hellgelb blühenden Winterjasmin (Jasminum nudiflorum) freuen - wenn er einen Platz zum Runterhängen oder zum Raufklettern für ihn hat.

Auch die immergrüne, knallgelb blühende Mahonie lockt die Insekten an.

Und wer kein Gelb im Garten mag, der findet im Winterschneeball

(Viburnum fragrans oder auch V. bodnantense) einen Strauch, der sogar schon im November zu blühen und wunderbar zu duften (!) anfängt. In der ganz kalten Zeit macht er eine Pause, um danach, sobald es wärmer wird, seine üppigen rosa Blütenbüschel zu entfalten.

Es gibt noch mehr solcher winterblühenden Sträucher, u.a. auch die stark duftende Zaubernuss (Hamamelis). Aber sie braucht bei uns sicher einen geschützten Platz. Wohingegen die oben genannten Sträucher die Kälte unserer Region ohne wesentliche Schäden an den Blüten überstehen können – und damit nicht nur für uns eine Freude sind, sondern auch für unsere blütenbesuchenden Insekten.

Vortrag: Streuobstwiesen für die Insektenvielfalt

 (Manuel Haus / privat)

Am 8.10.2020 lud der BUND-Ortsverband Ammerbuch zum Vortrag Streuobstwiesen für die Insektenvielfalt in die Entringer Zehntscheuer ein. Dr. Manuel Haus von der Regionalgruppe Tübingen im Netzwerk Blühende Landschaft zeigte die vielfältigen Gründe des Insektensterbens auf und stellt anhand der eigenen Erfahrungen und Erfolge dar, was Bewirtschafter*innen von (Streuobst-) wiesen, aber auch Landwirte dagegen tun können.

In seinem Vortrag berichtete Dr. Haus über seine Erfahrungen bei der Umgestaltung einer Grasfläche in eine Blumenwiese. Sein Ziel war, dort eine Vielfalt von mehrjährigen heimischen Wildblütenpflanzen  anzusiedeln, um Wildbienen und vielen anderen Insekten wieder einen dauerhaften Lebensraum zu geben.

Als erstes erfuhren die Zuhörer, welche Pflanzen zu diesem Lebensraum gehören und welche eher nicht. Der so attraktiv blühende Klatschmohn und die Kornblume  fanden sich früher eher auf einem Acker. Aber z.B. die Margerite gehört in eine solche Wiese, ebenso wie Glockenblumen, Wiesensalbei, Wiesenbocksbart, Klappertopf, Habichtskraut, Skabiosen, u.a. je nach Region.

Dass sich diese Pflanzen erst allmählich und nach längerem Ausmagern wieder ansiedeln, war die nächste Erfahrung. 

Ebenso wichtig ist die richtige Mähtechnik (Sense oder Balkenmäher) und der richtige Zeitpunkt zweimal im Jahr.

Für das Problem „Wohin mit dem Mähgut“ bot er mehrere Möglichkeiten an: Neben dem Verrotten auf einem begrenzten Platz im Abseits empfahl er z. B. den Bau einer einfachen Heupresse. 

Genauere Informationen  zum Saatgut, zum richtigen Mähen (auch Kurse für das Mähen mit der Sense), zum Bau einer Heupresse usw. findet man auf der Homepage von Dr. Manuel Haus:

Ein Video zum Bau der Heupresse findet man hier.

 

Naturnaher Garten im Herbst

 (Antje Kiepenheuer / privat)

Gerade im Herbst sind unsere Gärten noch einmal besonders prächtig. Jetzt endlich blühen die Staudenastern, die Chrysanthemen, der Herbsteisenhut  und die hohen Gräser. Die letzten Rosen legen sich noch einmal ins Zeug.

Aber was dann, wenn die letzte Blüte vorbei ist? Sollen wir alles abschneiden und auf den Kompost werfen?

Wir lieben den Garten wegen seiner Schönheit. Je nach Temperament der Gärtner ist es für sie schwer zu ertragen, wenn Blätter welken, vergilben, vertrocknen. Da juckt die Gartenschere in der Hand, um alles zu entfernen, was nicht mehr gefällt.

Das geht auch mir so. Aber seitdem  mich die Diskussion über den Rückgang der Insekten beschäftigt, versuche ich, mich beim „Ausputzen“ des Gartens zu bremsen.

Viele Pflanzen sehen schließlich auch in vertrocknetem Zustand noch attraktiv aus, ganz besonders die Gräser. Wenn im späten Herbst sich der Raureif darauf legt, haben sie sozusagen eine zweite Blüte. Im Winter schmückt der Schnee  - wenn er denn  gefallen ist – die vertrockneten Köpfe der letzten Rosen, der Hortensien und stehengebliebener Fruchtstände. Und unsere Wintervögel holen sich daraus ihre Nahrung.

Wenn es dann im späten Winter oder zeitigen Frühjahr gar nicht mehr Auszuhalten ist, dann ist das Säubern und Herunterschneiden für die Wiederbelebung des Gartens ja auch nötig.  

Aber sicherlich sind diese Pflanzenreste  auch Rückzugsorte von Insekten. Besonders in hohlen Stängeln überwintern ihre Larven. Manche kann man erhalten, indem man diese Stängel nicht klein schneidet und auf den Kompost gibt, sondern sie senkrecht gebündelt in einer Ecke des Gartens noch eine Weile stehen lässt, z.B. in einem Bottich, aus dem unten das Regenwasser gut ablaufen kann. Dann haben die Larven von Käfern, Schmetterlingen, Wildbienen & Co  die Chance zur Weiterentwicklung, um im kommenden Frühjahr den Garten wiederzubeleben.

AG Artenvielfalt

hier entsteht die Webseite der AG Artenvielfalt

BUND-Bestellkorb