Medikamente in der Umwelt
Sauberes Wasser fängt zu Hause an: Was Sie gegen unsichtbare Verschmutzung tun können
Wasser ist unser wichtigstes Lebensmittel und Lebensraum für unzählige Tiere und Pflanzen. Rückstände aus Medikamenten, Körperpflegeprodukten und Lebensmitteln gelangen mit dem häuslichen Abwasser in die Kanalisation und von dort in Flüsse und Bäche, weil viele dieser Stoffe in Kläranlagen nur unvollständig entfernt werden. Mit wenigen Veränderungen im Alltag können Sie dazu beitragen, diese Belastung deutlich zu verringern.
Medikamente im Abwasser
Viele Menschen entsorgen abgelaufene Hustensäfte oder alte Tablettenreste immer noch irrtümlich über das Waschbecken oder die Toilette. Das hat gravierende Folgen: Die Wirkstoffe lösen sich im Wasser und gelangen in die Umwelt, wo sie selbst in geringsten Mengen Schaden anrichten können. Wissenschaftliche Studien zeigen beispielsweise, dass Hormone aus Verhütungsmitteln die Fortpflanzung von Fröschen stören und Antidepressiva das Verhalten von Fischen verändern können.
Alte Medikamente richtige entsorgen
Werfen Sie alte Medikamente niemals in die Toilette oder den Ausguss! In Deutschland ist der Hausmüll (Restmüll) oft der sicherste Weg, da dieser in der Regel verbrannt wird, wodurch die Wirkstoffe zerstört werden. Alternativ nehmen manche Apotheken oder Schadstoffmobile Altmedikamente zurück. Prüfen Sie vor dem Neukauf zudem Ihren Bestand, um unnötige Reste zu vermeiden.
- Den richtigen Entsorgungsweg für Ihren Standort finden Sie ganz einfach hier: arzneimittelentsorgung.de
Die Bestseller Ibuprofen und Diclofenac
Besonders häufig genutzte Schmerzmittel wie Ibuprofen und Diclofenac belasten unsere Gewässer stark. Diclofenac ist für Wasserlebewesen besonders schädlich; es kann beispielsweise Organschäden bei Fischen verursachen.
Auch die Anwendungsform kann Einfluss haben, Schmerzgele bewirken einen höheren Eintrag an Wirkstoff. Wird die behandelte Stelle kurz nach dem Einreiben geduscht oder gewaschen, gelangen große Teile des Wirkstoffs unverändert mit dem Duschwasser in den Abfluss. Fachstellen empfehlen deshalb, die Hände nach dem Auftragen eines Diclofenac-Gels zunächst mit einem Einweg-Papiertuch abzuwischen und dieses in den Restmüll zu geben, bevor man sie wäscht.
Mit bewussten Umgang Umweltbelastung reduzieren:
Paracetamol und ASS (Aspirin) sind besser biologisch abbaubar als Ibuprofen und Diclofenac. Insgesamt sollten Schmerzmittel und Schmerzgele sparsam und bewusst angewendet werden. Aus Umweltsicht kann es verträglicher sein, ein Schmerzmittel als Tabletten einzunehmen, da weniger Wirkstoff unverändert im Wasser landet. Besprechen Sie jedoch mit Ihrer Ärztin oder Ihrem Arzt, ob ein Wechsel für Sie medizinisch sinnvoll ist.
- Hintergrundwissen zur Kampagne gibt es hier: machts-klar.de
Süßstoffe im Wasserkreislauf
Süßstoffe: Ein bitterer Nachgeschmack für die Natur
Süßstoffe: Ein bitterer Nachgeschmack für die Natur
Künstliche Süßstoffe wie Acesulfam-K (E950) und Sucralose (E955) finden sich in Light-Getränken, vielen verarbeiteten Lebensmitteln, Zahnpasten und auch in manchen Arzneimitteln. Diese Stoffe sind sehr stabil, werden vom Körper weitgehend unverändert wieder ausgeschieden und in Kläranlagen nur schlecht abgebaut, weshalb sie zunehmend in Flüssen, im Grundwasser und vereinzelt sogar im Trinkwasser nachgewiesen werden.
Obwohl für Menschen in diesen Konzentrationen meist unbedenklich, sind die Folgen für die Natur nicht zu unterschätzen: Studien deuten darauf hin, dass Acesulfam bei Fischen oxidativen Stress auslöst, während Sucralose bei Zebrafischen zu Entwicklungsstörungen führen kann.
Süßstoffe im Abwasser vermeiden:
Achten Sie auf die Zutatenliste und versuchen Sie, Produkte mit Acesulfam-K und Sucralose seltener zu kaufen. Wer mehr zu Wasser, Tee, ungesüßten Getränken und wenig verarbeiteten Lebensmitteln greift, tut gleichzeitig etwas für die eigene Gesundheit und für sauberere Gewässer.
- Offizielle Einschätzung des Umweltbundesamtes: Relevanz von Süßstoffen als Spurenstoffe in Gewässern