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BUND Regionalverband Neckar-Alb
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Feinstaubmessung im Vergleich - Masterarbeit

Weshalb sieht man an Balkonen, an Laternenpfosten usw. immer häufiger kleine, graue Rohrstücke? - Das sind Feinstaubmessgeräte, die BürgerInnen auf der Basis des Projektes http://luftdaten.info/ aufgehängt haben, um das lückenhafte Messnetz von LUBW und Kommunen zu ergänzen.
Max Blon hat mit Unterstützung des BUND RV Neckar-Alb im Rahmen seiner Masterarbeit untersucht, inwieweit die Messwerte vergleichbar, welche Fragen noch offen sind und was zu tun ist. Ausreichend valide Messungen sind schließlich ein wichtiger Beitrag zur Forderung nach bessere Luftqualität. 

Kommentar zur Luftqualität 2018

Gute Luft in Tübingen? Und was unternimmt Reutlingen zur Verbesserung der Luftqualität?

Laut Oberbürgermeister Boris Palmer besteht praktisch keine Notwendigkeit mehr, über Straßensperrungen bzw. Fahrverbote nachzudenken. "Das Thema ist durch", sagte Palmer Ende Februar dem Schwäbischen Tagblatt. "Beim Feinstaub haben wir gar kein Problem mehr." Tatsächlich geht die Feinstaubbelastung zurück, allerdings wurde z. B. in der Mühlstraße der Grenzwert (mündliche Info des RP Tübingen am 8.03.2018) dieses Jahr bereits viermal überschritten. Abgesehen davon, dass es nicht nur in Tübingen zu wenige offizielle Messstellen gibt und man auf Rechenmodelle anstatt gute Datengrundlagen setzt, beschreibt das Regierungspräsidium Tübingen die Situation in einer Pressemitteilung im Januar 2018 differenzierter: "...Dies betrifft insbesondere Abschnitte der Westbahnhofstraße, der Rümelinstraße, der Wilhelmstraße, der Stuttgarter/Reutlinger Straße und Am Stadtgraben. Das Regierungspräsidium Tübingen und die Stadtverwaltung prüfen derzeit, ob die Luftqualität an diesen Strecken mit lokalen, verkehrlichen Maßnahmen verbessert werden kann."

Reutlingen ächzt trotz des neuen, 83 Mio € teuren Scheibengipfeltunnels - wie von den Umweltverbänden progostiziert - immer noch unter LKW- und PKW-Verkehr. Die Mehrheit des Gemeinderats lehnt Anfang März trotzdem Maßnahmen zum Schutz der Gesundheit wie eine Geschwindigkeitsreduzierung ab. Diese wird an stark belasteten Straßen jedoch laut RP Tübingen zur Einhaltung des Luftreinhalteplans kommen, genauso wie Durchfahrtsverbote für LKW. Runde Tische und Bürgerbefragungen der "Modellstadt Reutlingen" (so der Name des städtischen Projektes um "harte" aber wirksamen Maßnahmen zur Luftverbersserung zu vermeiden) sind "nice to have", reichen aber (natürlich) nicht aus. Immerhin scheint Eningen durch den Tunnel spürbar- und zählbar entlastet zu werden.

Wo informieren? - Man hat im Netz die Auswahl zwischen diversen, mehr oder weniger aktuellen, mehr oder weniger gut auffindbaren, offiziellen Seiten, um die Werte (tagesaktuell, Jahresmittelwert,....) für einige Luftschadstoffe nachzuschauen. Bürgerfreundlich ist diese "Vielfalt" an Infoseiten nicht. Andererseits wird in vielen, z. B. vom Durchfahrtsverkehr stark belasteten Straßen gar nicht gemessen oder gerechnet. Zwei "lesenswerte" Seiten: http://mnz.lubw.baden-wuerttemberg.de/messwerte/aktuell/statDEBW107.htm (jeweiligen Ort eingeben) oder https://www.lubw.baden-wuerttemberg.de/luft/messwerte-immissionswerte#karte.

Zum Glück gibt es ja auch noch das Citizen Science-Messnetz, das ständig wächst: http://deutschland.maps.luftdaten.info/#9/48.6267/9.1621 Mit den Geräten kann bisher zwar nicht die NOx-Belastung gemessen werden, dafür aber die Belastung mit Feinstaub PM 2,5 (dessen Werte die LUBW nicht veröffentlicht und welcher noch lungengängiger ist als PM 10-Feinstaub). Von behördlicher Seite wird die Qualität der Geräte kritisiert, allerdings zeigen Vergleichsmessungen an Standorten, die mit offiziellen und "privaten" Messgeräten bestückt sind, dass letztere in der Regel vergleichbare Werte und Trends zeigen. 

Der Stickstoffgehalt und Feinstaubgehalt in der Tübinger Luft ist zu hoch, Bezug: Schwäb. Tagblatt vom: 6.04.2013

Kommentar des BUND RV Neckar-Alb:

Das Regierungspräsidium (RP) weist daraufhin, dass der Schadstoffgehalt an einigen Messtellen in Tübingen und Unterjesingen zu hoch sei und gegen von der EU vorgegebenen Grenzwerte verstoße. Vor allem der Autoverkehr u. a. in der Mühlstraße treibt die Stickstoffbelastung und die Feinstaubbelastung in die Höhe. Das RP und die Kommunen müssen also aktiv werden - nicht nur um der EU zu gefallen, sondern vor allem um die Gesundheit ihrer BürgerInnen zu schützen. In diesem Zusammenhang irritiert die Aussage des Pressesprechers des RP Tübingen: Man müsse sich wegen der zur Zeit häufigen Überschreitungen der Feinstaubgrenzwerte keine Sorgen machen, denn (sinngemäß) wenn erst einmal der Frühlingswind blase und weniger mit Holz geheizt würde, dann könnte es Tübingen schaffen, die maximal 35 erlaubten Überschreitungstage pro Jahr einzuhalten.

Die von den EU-Staaten ausgehandelten Tages- und Jahresmaxima orientieren sich zwar am (umweltpolitisch) Machbaren haben aber zumindest eine wissenschaftliche Grundlage: Wenn also bereits in den ersten drei Monaten an 25 von 35 Tagen der Feinstaubgrenzwert - um wieviel? - überschritten wurde, dann ist das für die AnwohnerInnen wenig beruhigend, wenn ihnen in Aussicht gestellt wird, dass sie an windig-feuchten Tagen freier atmen können. Sollen diese Leute an hochbelasteten Tagen ihre Atmung einstellen oder verreisen? - Illusorisch! Deshalb muss es verbindliche Maßnahmen geben um ganzjährigdie Luftbelastung durch den Verkehr und das Heizen mit Festbrennstoffen zu verringern. 

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