Das Gespräch mit den Vertretern der Straßenbau- und der Naturschutzbehörde des Landkreises verlief zwar in konstruktiver Atmosphäre, ließ aber der Naturschutzverbände BUND, LNV und NABU einige Fragen offen.
Im Detail kritisieren die Verbände:
- Die mangelhafte Information und Einbeziehung der anerkannten Naturschutzverbände sowie die Verweigerung bzw. Verzögerung der Handreichung von Unterlagen. Es zeigte sich während des ganzen Verfahrens, dass Informationen von Behördenseite erst dann herausgegeben wurden, wenn es sich - z. B. weil Naturschutzvertreter sich auf anderen Wegen das notwendige Fachwissen für die Beurteilung dieses Falls holten - nicht mehr verhindern ließ.
- Ebenso die verspätete bzw. Nicht-Einbeziehung der Naturschutzbehörde im eigenen Haus bzw. des zuständigen Referates 56 im Regierungspräsidium Tübingen sowie der Verwaltung des Biosphärengebietes.
- Das insgesamt überstürzte und unkoordinierte Agieren der Landkreisbehörden in diesem Fall – die Problematik der bröckelnden Felsen war spätestens seit dem oben zitierten Gutachten aus dem Jahr 2000 bekannt.
- Die Verweigerung der FFH-Verträglichkeitsprüfung und der speziellen artenschutzrechtlichen Prüfung (saP) aufgrund einer völlig unzureichenden, erst nach Beginn der Sanierungsmaßnahmen erstellten FFH-Vorprüfung (die wiederum auf einem knapp 20 Jahre alten botanischen Gutachten basiert). Da angeblich keine FFH-Prüfung notwendig war wurde nicht von vorne herein Ausgleichsmaßnahmen konzipiert. Es wurde zwar beim Ortstermin auf Nachfrage grob zugesagt, Felsfreistellungen an einem bisher unbekannten Ort als Ausgleich zu prüfen. Klingt gut; jedoch ist es nicht in jedem Fall sinnvoll, Felsbeseitigung durch Baumfällungen an Schattenfelsen anderenorts auszugleichen. Auch dabei ist es aber unverzichtbar, die Naturschutzverbände frühzeitig einzubinden.
Beim Ortstermin wurde von Behördenseite zugegeben, dass auch nach den Sprengungen und der Felssicherung mittels Fangzäunen die Linken Wittlinger Felsen eine Dauerbaustelle bleiben („hoffentlich haben wir ein paar Jahre Ruhe“). Daraus ergab sich die grundsätzliche Frage nach der Notwendigkeit dieser Nebenstraße im landschaftlich attraktiven Föhrental. Beim Ortstermin wurde – neben dem Wunsch der direkten Anbindung Wittlingen-Urach – als Begründung die schnelle Erreichbarkeit Wittlingens im Notfall genannt (trotz der gut ausgebauten Verbindungen über Hengen bzw. Seeburg). Die volkswirtschaftlichen Kosten im Millionenbereich für die immer wieder anstehenden Felssanierungen - oft verbunden mit einer Straßensperrung - sowie für die dringend erforderliche grundsätzliche Sanierung des Unterbaus und der unteren Hangseite mittels Bohrpfählen dieser Nebenstraße sind jedoch unverhältnismäßig hoch. Es stellt sich die Frage, ob sie nicht effektiver im Ausbau des Notdienstes angelegt wären.
Die Vertreter der Naturschutzverbände machten deutlich - und bewiesen dies bei anderen Planungen im Biosphärengebiet zur Genüge - dass sie durchaus Notwendigkeiten der Verkehrssicherung akzeptieren. Sie werden allerdings durch das geradezu konspirative Vorgehen der Behörden im Landkreis Reutlingen - neben der guten Zusammenarbeit in einzelnen Projekten - immer wieder enttäuscht. Und dies, obwohl der ehrenamtliche Naturschutz seine Fachkenntnisse und seine Kooperationsbereitschaft kostenlos zur Verfügung stellt. Die Naturschutzvertreter stellten klar, dass nicht Naturschützer oder streng geschützte Fledermäuse für die Verzögerung der Sanierungsarbeiten verantwortlich sind, sondern dass dies allein dem unprofessionellen Vorgehen der Behörden anzulasten ist.
Dr. C. Müller (Leiter des Amtes Bauen und Umwelt) und G .Pflumm (Leiter Verwaltungsdezernat) versprachen, die Kommunikation ihrer Behörden zu verbessern.
Schwacher Trost: An anderer Stelle im Biosphärengebiet, nämlich im Landkreis Esslingen an der Hochwanger Steige bei Lenningen werden zur Zeit im Rahmen von Verkehrssicherungsmaßnahmen ebenfalls in Wald-und Felsbiotope eingegriffen, ohne die Naturschutzverbände rechtzeitig einzubinden. Dort leistet der LNV Arbeitskreis Esslingen jetzt dem Straßenbauamt Nachhilfe im Naturschutzrecht.
Weitere Informationen bei:
Barbara Lupp (BUND Regionalverband Neckar-Alb)
oder
Fritz Merkle (LNV Arbeitskreis RT)
Nachher (September 2009)...