Mülltransport der Region Neckar-Alb in die Müllverbrennungsanlage Stuttgart-Münster

Offener Brief an den Zweckverband Abfallwirtschaft Reutlingen/Tübingen - 4. Juli 2006

Sehr geehrte Damen und Herren des Zweckverbandes Abfallwirtschaft Reutlingen/Tübingen,

Verkehrslärm und Abgase haben ein kaum mehr erträgliches Ausmaß erreicht – mit schwer kalkulierbaren Folgen für Mensch und Umwelt. Neueste Verkehrszählungen in der Landeshauptstadt verdeutlichen, dass insbesondere der Lkw-Verkehr massiv zugenommen hat. Die EU-Grenzwerte für Feinstäube wurden dieses Jahr in Stuttgart beinahe schon an durchschnittlich jedem zweiten Tag überschritten. Dabei gehören die Bundesstraßen 10 und 27 zu den am meisten belasteten Straßen im Land. In Tübingen (Dauermessstelle Derendingen) hat die Feinstaubbelastung nach Angaben der Landesanstalt für Umwelt, Messungen und Naturschutz Baden-Württemberg den Grenzwert des gültigenden Tagesmittelwertes von 50 µg/m3 im laufenden Kalenderjahr bereits 23-mal überschritten. Nach der EU-Richtlinie sind maximal 35 Überschreitungen im Jahr erlaubt. Diese zulässige Gesamtzahl wurde an der Spot-Messstelle Mühlstraße mit inzwischen 44 Vorfällen bereits deutlich überschritten; in Tübingen-Unterjesingen wurden sogar 54 Überschreitungen festgestellt (Stand: 21.06.2006, Quelle: www.umeg.de/messwerte/aktuell/regD9NO2.htm).

Ab dem kommenden Jahr droht eine weitere erhebliche Steigerung der Umweltbelastung, wenn rund 100.000 Tonnen Müll aus Landkreise Reutlingen, Tübingen und Zollern-Alb mit dem Lkw in die Müllverbrennungsanlage Stuttgart-Münster gefahren werden soll. Doch es gäbe eine machbare Alternative: die Abwicklung der Transporte auf der Schiene – ganz im Sinne der Empfehlungen des Luftreinhalteplans des Regierungspräsidiums Stuttgart einen Großteil der Gütertransporte vom Lkw auf die Schiene zu verlagern. Auch der Luftreinhalte- und Aktionsplan Reutlingen-Tübingen, vom Regierungspräsidium Tübingen gemeinsam mit den Städten Tübingen und Reutlingen erarbeitet und im Dezember 2005 verabschiedet, sieht den Bahntransport als emissionsarme Art des regionalen Abfalltransports vor, um eine Reduzierung der Luftschadstoffe zu erreichen.

Der BUND Regionalverband Neckar-Alb befürwortet den Mülltransport per Bahn nachdrücklich. Existierende und funktionierende Beispiele sind keine Alibilösungen aus dem Raritätenkabinett. Die Entscheidungsträger mögen einen Blick in den nahen Breisgau werfen, wo eine verkehrstechnisch und ökologisch vorbildliche Lösung gefunden wurde: „Seit Ende 2005 wird der Müll in die dortige Thermische Restabfallbehandlungs- und Energieverwertungsanlage (Trea) zu über 80% auf der Schiene angeliefert“, erläutert der BUND-Verkehrsreferent Klaus-Peter Gussfeld. Jährlich würden auf diesem Weg über 100.000 Tonnen Abfall aus sechs Stadt- und Landkreisen am Oberrhein umweltfreundlich in Güterzügen in die Müllverbrennungsanlage transportiert. „Damit können pro Jahr etwa 5.000 Lkw-Fahrten eingespart werden, das entspricht ungefähr 30 Fahrten pro Tag“, fasst Gussfeld die positive Umweltbilanz des Bahntransportes zusammen. Der Bahntransport sei zwar etwas teurer als die Anlieferung mit Lastwagen. Doch relativiert sich der Aufpreis im Hinblick auf die Einwohnerzahlen. „Pro Einwohner der Stadt Freiburg verursacht der Bahntransport des Mülls im Jahr Mehrkosten von bescheidenen 1,30 Euro“, rechnet Gussfeld vor: „Und bezogen auf die gesamte Kalkulation der Müllgebühren betragen die Mehrkosten für den Schienentransport nur 1,4%.“ Den politischen Entscheidungsträgern am Oberrhein war der Umweltschutz dieser Preis wert.

Entscheiden Sie sich in der Sitzung am 7. Juli für eine bürger- und umweltfreundliche Lösung! Die Mülltransporte aus der Region Neckar-Alb bieten eine hervorragende Gelegenheit, sowohl die Empfehlungen des Luftreinhalteplans des Regierungspräsidiums Stuttgart als auch des Luftreinhalte- und Aktionsplans Reutlingen-Tübingen zu respektieren und Belastungen durch zusätzlichen Lkw-Verkehr zu vermeiden.

In Zeiten des globalen Klimawandels sind alle gefordert, einen wichtigen Beitrag zum Klimaschutz zu leisten und sich der Verantwortung als eine der führenden Industrienationen gerecht zu werden. Investieren Sie in die Zukunft!
Deshalb: Ja zur Schiene!

Wir danken für Ihre Bereitschaft, unsere Belange in Ihre Abwägungen einzubeziehen, und sehen Ihrer Entscheidung mit Interesse entgegen.



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