Forstarbeiten in zukünftigen BSG-Kerngebieten

Heute holzen - in 100 Jahren reparieren?

Die Verbände protestieren gegen Baumfällungen in besonders geschützten Zonen des künftigen Biosphärenreservates

Das Herzstück eines Biosphärenreservates sind seine Kernzonen. Hier dürfen sich Tiere und Pflanzen von Menschen ungestört entwickeln, altern und sterben. Ein Luxus, den es in deutschen Wäldern nur selten gibt.
Das Biosphärengebiet Schwäbische Alb prägen seine Hangbuchenwälder und Schluchtwälder mit vielen alten Buchen, Eichen, Eschen, Ahorn- und Lindenbäumen. Diese beeindrucken nicht nur durch Größe und Gestalt, sondern beherbergen auch Moose, Pilze, Flechten und ungezählte Insekten- und Weichtierarten. Sie bieten Höhlenbewohnern Quartier und Vögeln Nist- und Horstplätze. Aber nur drei Prozent der Fläche des künftigen Biosphärengebietes Schwäbische Alb sollen als Kernzonen ausgewiesen werden. Das ist gerade der Mindestanteil, um die begehrte Anerkennung durch die UNESCO als „Biosphärenreservat“ im weltweiten Netzwerk „Mensch und Biosphäre“ zu erwirken. Die durch die Zersplitterung in zahlreiche „Kernzönchen“ reicht die Fläche nicht aus um eine natürliche Entwicklung des Waldes zu zulassen und den Artenschwund zu stoppen,“ so Helmut Attinger vom NABU Münsingen.
Deshalb fordern der Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland (BUND), der Landesnaturschutzverband Baden-Württemberg (LNV) und der Naturschutzbund Deutschland (NABU), die vielen kleinen Kernzonen zu ergänzen und ggf. durch Einbeziehung von Wald aus dem Besitz des Landes (Staatswald) großzügig zu erweitern.
Außerdem sind die bisher ausgewiesenen Zonen akut gefährdet, weil einige Kommunen in ihnen noch im großen Stil Bäume fällen, bevor die Anerkennung als Biosphärenreservat dieses verbietet. Nach Angaben von Mitarbeitern der Forstbehörden wurden im Winter 2007/2008 mehr Bäume als üblich abgeholzt. Dieter Dobler vom LNV Reutlingen: „Mit nachhaltiger Forstwirtschaft hat dies nur wenig gemein schon gar nichts mit einer vom Menschen ungestörten Entwicklung wie sie die UNESCO für die Kernzonen fordert.“ So zerstören jene Gemeinden heute noch jene besondere Lebensqualität mit der sie in Zukunft für ihren heimischen Tourismus werben wollen.
Neben dem wirtschaftlichen Aspekt des Holzverkaufs argumentiert die Forstverwaltung mit dem „Gebot der Verkehrssicherung“ für die Wanderwege, die in den Kernzonen künftig noch zugelassenen werden. Dabei sollen bis zu 40 m links und rechts der Wege vermeintlich gefährliche Baumsenioren gefällt werden. „Da bleibt in den häufig schon sehr schmalen Kernzonen nicht mehr viel prägendes Altholz übrig“, warnen die Natur- und Umweltschutzverbände.
Genauso so wie, Biosphärenexperten aus dem Bundesamt für Naturschutz und aus dem Biosphärenreservat Rhön weisen sie darauf hin, dass in Kernzonen generell keine störenden Wege verlaufen sollten. Wenn jedoch traditionelle Wanderwege – also nicht Mountainbikewege - nicht geschlossen oder verlegt werden können, ist der sogenannten Fürsorge-pflicht Genüge getan, wenn Schilder am Rand der Kernzonen auf die erhöhte Gefährdung durch morsche Bäume hinweisen.
Barbara Lupp vom BUND Regionalverband Neckar-Alb: „Wenn wir in Zeiten des Klimawandels und weltweiten Artenschwunds als reiches Industrieland von den armen Ländern im Süden erwarten, dass sie die Rodung der letzten Regenwälder stoppen, könnten wir im „Ländle“ zumindest einige Hektar Wildnis zulassen – und zwar ab sofort!“

Wegesicherung oder Kernzone ("Eichhalde" Bad Urach)? Foto B. Lupp
Über 80 Jahre alter Bannwald in der "Eichhalde" bei Bad Urach. Ohne Wegesicherung! Foto B. Lupp