Gewerbeplanungen im Neckartal - nachhaltig? Amazon - Aushängeschild?
Leserbrief im Schwäbischen Tagblatt (2018)
Im Tagblatt bekam man in den letzten Tagen einen "bunten Strauß" an Flächenumwandlungen präsentiert: So erschließt Dußlingen entlang der Steinlach Gewerbeflächen, Horb und und das Örtchen Empfingen planen ein 35 ha(!) großes interkommunales Gewerbegebiet -  da "muss" Rottenburg  mit dem "Galgenfeld" natürlich nachziehen. Außerdem, so der IHK-Regionalmanager laut Tagblatt, hätten auch "Tübingen und Reutlingen kürzlich neue Gewerbeflächen beschlossen. Rottenburg darf nicht den Anschluss verlieren". Da half es auch nichts, dass es gute Gegenargumente gab. So sieht der BUND OV Rottenburg  in einem Schreiben an die Gemeinderäte "die...Festlegung auf ein neues Gewerbegebiet ohne faktische Nachfrage in der aktuell genannten Größenordnung von 20-30 ha  kritisch und hält in in diesem Zusammenhang das Gutachten der Fa. Immakom...für wenig belastbar, vor allem in Fragen der statistischen Auswertung sowie der Vermischung von Wünschen und Wirklichkeit."

Die Stadtverwaltung Tübingen präsentiert sich im Vergleich zu benachbarten Kommunen gern als flächensparend: Man benötige neue Gewerbeflächen nur für einheimische Betriebe mit Expansionsbedarf. Seltsam, dass man nun auf die Ansiedlung des Konzerns Amazon, der in Tübingen übrigens keine Gewerbesteuer zahlen wird, "als Aushängeschild, das weitere Firmen anzieht" setzt. Übrigens schadet Amazon nicht nur dem örtlichen Einzelhandel, wie Gemeinderäte kritisch anmerkten, sondern setzt laut der SWR-Sendung "Betrifft" selbst Händler unter Druck, die versuchen über Onlineangebote auf dem "Amazon-Marketplace" konkurrenzfähig zu bleiben.

 

Barbara Lupp

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Flächenverbrauch im Neckartal (2018): Die Stadtspitze in Rottenburg besteht auf ein neues, "kernstadtnahes" Gewerbegebiet (freie Gewerbeflächen z. B. in Rottenburg-Ergenzingen zählen also nicht dazu). Auch die Mehrheit des Gemeinderats, nicht jedoch die Fraktionen der Linken und der Grünen, setzen auf "nachhaltiges" Flächenwachstum. Das durch Landwirtschaft geprägte Gebiet "Galgenfeld/ Herdweg" im Neckartal scheint da zu passen. Nachdem jedoch der Widerstand gegen die praktisch irreversible Überbauung von 23 ha Fläche wächst, gab die Stadt ein Gutachten in Auftrag. Trotz umstrittener Fragemethode und dürftiger Rückmeldung der befragten Betrieben kam die Firma Imakomm "wunschgemäß" in der Auswertung zum Schluss, dass das Galgenfeld die geeigneteste Fläche wäre.
Auch in Rottenburg gibt es etliche Hektar ungenutzte und unternutze Gewerbe- und Parkflächen, auf die die Kommune allerdings nicht immer so einfach Zugriff hat, wie es beim Galgenfeld der Fall zu sein scheint.
Der BUND RV Neckar-Alb kritisiert diese Planung auch aus überörtlicher Sicht: Das Neckartal in unserer Region ist einerseits ein wichtiger (Teil-)Lebensraum für zahlreiche, geschützte Tier- und Pflanzenarten, z. B. Bodenbrüter wie die Feldlerche und durchzogen von Wildtierkorridoren u. a.  zwischen Rammert und Schönbuch. Andererseits werden immer mehr Lebensräume für Straßen-, Wohn- und Gewerbebau in Anspruch genommen oder durchschnitten. Neben dem "Galgenfeld" sind u. a. Gewerbegebiete in Hirschau, Bühl, Weilheim und Altenburg geplant. Zu Lasten des Naturschutzes, des Hochwasserschutzes, des Klimaschutzes (Verkehrszunahme, Frischluftbarrieren) und damit des Menschen. Auch die Landwirtschaft wird durch die unwiederbringliche Zerstörung von guten Böden direkt und durch Ausgleichsmaßnahmen indirekt betroffen sein. Für manche Betriebe geht dieser Verlust von (gepachteten) Anbauflächen an ihre Existenz! Umso verwunderlicher, dass der Kreisbauernvorsitzende beim diesjährigen Bauerntag gegen Umweltministerin Hendricks wetterte, die wissenschaftlich belegten Nebenwirkungen von Pestiziden als "Fake News" abtat und vor einer "Hexenverfolgung" (von Bauern) warnte - aber sich zumindest laut Tagblatt mit keinem Wort dafür einsetzte, dass die Anbauflächen seiner KollegInnen erhalten bleiben.

Genauso wie aktuell im Rahmen der Aufstellung der Flächnnutzungspläne Gomaringen oder Reutlingen befürchtet auch Rottenburg, im ruinösen Wettbewerb der Kommunen um ansiedlungswillige Firmen das Nachsehen zu haben - die Aussagen des Landschaftsplans für Rottenburg und geplante Untersuchungen zum Bedarf an Gewerbeflächen auf regionaler Ebene scheinen bei der Entscheidungsfindung kaum eine Rolle zu spielen.

 Barbara Lupp

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Rund 28 ha neue Gewerbefläche im "Galgenfeld"? Position des BUND RV Neckar-Alb vom Juli 2016:

Man ist gewohnt, dass Kommunalvertreter wieder massiv Flächen für Gewerbe und Wohnen fordern - Bodenschutz, Naturschutz, Landwirtschaft scheinen da nur überwindbare "Planungsrestriktionen". Rund 30 ha am Stück bei Rottenburg ist allerdings schon "hervorragend", auch wenn absehbar war, dass der Neubau der B 28 die Attraktivität angrenzender Flächen für Gewerbe fördern würde.
Aber: Gerade vor dem Hintergrund der globalen Verknappung der Ressource Boden muss der  Flächenfraß auf kommunaler Ebene gestoppt werden. Böden sind die Basis der landwirtschaftlichen Produktion, sie dienen als Filter und Puffer, sowie, je nach Beschaffenheit und Bewuchs als unentbehrlicher Ausgleichskörper im Wasserkreislauf - gerade in Zeiten zunehmender Wetterextreme ist ihr Erhalt unentbehrlich! Erwähnenswert: Es dauert mindestens 100 Jahre bis sich 1cm Boden neu gebildet hat. Auch deshalb ist die großzügige Bevorratung mit Gewerbeflächen überholt.
Kommunen sollten sich, um vermuteten oder tatsächlichen Bedarf zu decken, vielmehr fragen: Ließen sich alternative Standorte z. B. durch Umwidmung ungenutzter bzw. unternutzter, bereits bestehender, versiegelter Gewerbe- oder Parkplatzflächen finden – entweder im Stadtgebiet oder  in der Region? Besteht prinzipiell der Zwang, (beinahe) jedes Gewerbe zu akzeptieren, oder kommt Flächenverbrauch nur dann in Betracht, wenn vom Investor im Bezug auf Arbeitsplätze und Gewerbesteuereinnahmen hochwertige Nutzung zusagt?
Weiterer Knackpunkt: Wo und wie will man wirksame(!) Ausgleichsmaßnahmen für diesen großen Eingriff umsetzen? Kommunen und die von ihnen beauftragten Planungsbüros sind zwar mittlerweile Experten darin, Ausgleichs- oder damit verwandte Maßnahmen wie Ökopunkte sammeln, CEF-Maßnahmen usw. platzsparend zu realisieren; Zitat aus einem Berich zur "Unteren Halde Nord", Gomaringen: "der Vorteil ist, dass man keine Flächen dafür (für die Ausgleichsmaßnahmen) verbraucht." Aber damit zumindest ansatzweise funktionierende Ersatzlebensräume geschaffen sowie weitere Eingriffsfolgen gemindert werden, braucht es Fläche, braucht es Geld und Maßnahmenkontrollen. Außerdem würde auch beim Galgenfeld die Gefahr bestehen, dass die Landwirtschaft nicht nur direkt wegen des Baugebietes in Folge auf aufgrund der Ausgleichsmaßnahmen weitere Flächen verlieren würde. Der BUND RV Neckar-Alb würde es sehr begrüßen, wenn die Kommunalvertreter zukunftsfähig(er) denken und handeln würden!

Barbara Lupp



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