Freiverkäufliches "Biozid" im Discounter

"Biozid" auf dem Wühltisch

BUND Regionalverband Neckar-Alb kritisiert frei verkäufliches Insektenspray bei Discounter. Der Discounter Aldi bietet scheinbar passend zur Gartensaison das Insektenvernichtungsmittel "Pritex" an. Dieses wirke gegen „kriechende und fliegende Insekten“ und habe eine „Sofort- und Langzeitwirkung bis drei Monate“. Anstatt in der Produktbeschreibung auf die neurotoxischen Wirkstoffe Permethrin und Esbiothrin und ihre (Neben-)Wirkungen hinzuweisen, wirbt Aldi damit, dass das Spray auf "Wasserbasis hergestellt" und "nicht brennbar" sei. Umweltorganisationen werfen dem Discounter deshalb vor, zu verschleiern, das es nur bei akuten Schädlingsbefall im und am Haus angewendet werden darf. VerbraucherInnen laufen also Gefahr, dieses Insektengift unwissentlich als Pflanzenschutzmittel z. B. gegen Blattläuse einzusetzen. Nur wer die Rückseite der Sprühflasche studiert, erfährt dass es sich laut Gefahrensymbol um ein umweltgefährdendes Mittel handelt, welches "sehr giftig für Wasserorganismen ist" (Zitat aus Gebrauchsanweisung), auch Nutzinsekten wie Bienen und sogar Wirbeltiere schädigen kann. So darf der Sprühnebel nicht eingeatmet werden. Außerdem ist der Hautkontakt zu vermeiden.

Barbara Lupp vom BUND Regionalverband wollte wissen, ob das Verkaufspersonal informiert ist und bat eine hilfsbereite Verkäuferin um Produktberatung, Ergebnis: Diese kannte nicht den zulässigen Einsatzzweck, las dann die Gebrauchsanweisung auf der Rückseite und empfahl die Verwendung nur gegen Insekten im Garten, da "Sie ja sonst das Spray einatmen würden".

Weshalb wird dieses Insektenspray von Aldi im Gegensatz zu z. B. in Gartencentern erhältlichen Pestiziden ohne fachkundige Beratung frei verkauft? - Recherchen ergaben,  dass die für Pflanzenschutzmittel gültigen Vorschriften - nämlich Verkauf über eine nur für Fachpersonal zugänglichen Vitrine - für ein "Biozid" (Schädlingsbekämpfungsmittel) wie das von Aldi nicht gelten. Eine fachlich-juristische Feinheit, die die wenigsten Verbraucher nachvollziehen können. Der BUND Regionalverband bittet KundInnen, sich zu überlegen, ob sie dieses umweltgefährdende Produkt tatsächlich benötigen. Nicht zuletzt empfiehlt Barbara Lupp, beim Unternehmen kritisch nachzufragen - "die Macht der VerbraucherInnen ist nicht zu unterschätzen", so die BUND-Geschäftsführerin.

Eine Anfrage bei der Marktüberwachungsbehörde des Regierungspräsidiums Tübingen ergab übrigens, dass die Fa. Aldi zur Zeit nicht gegen geltende Pflanzenschutzmittel-oder Chemikalienverordnungen verstöße. Aber dass man dieses Gesetzesdefizit bedaure und hoffe, dass es mit Unterstützung der Naturschutzverbände behoben werde. 



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