Bürgerbefragung zu Gewerbeplanungen in Tübingen: Aubrunnen- oder Schelmen-Ex?

Kürzlich schickte mir eine der 5000 auserwählten TübingerInnen den Fragebogen mit der Bitte um Beratung, ergänzt um den Seufzer:"Da habe ich ja die Wahl zwischen Pest und Cholera?!" Denn bei dieser "Wahl" zwischen Variante 1: Wasserschutzgebiet Aubrunnen oder Variante 2: Schelmen, Kiesäcker,"gegebenenfalls in Kombination mit Traufwiesen" zubauen, fehlt offensichtlich die Variante 3, die zum Beispiel lauten könnte: "Kein großes, neues Gewerbegebiet auf nicht bereits erschlossener Fläche" und/ oder "Wiederbelebung des regionalen Gewerbeflächenpools". Was mich bei dieser Befragung wundert: Bis vor kurzem forderte die Stadtspitze ja min. 10 ha Gewerbefläche am Stück, jetzt wäre sie bei der Variante 1 - allerdings bei sofortiger Aufhebung des WSG-Status - mit 6,5 ha zufrieden, der Rest würde Erholungs- und Grünfläche werden. Klingt das nicht verlockend?  Bei Variante 2 sollen dagegen (mindestens) 10 ha von für den Artenschutz und die Naherholung wertvolle Flächen mit guten Böden bebaut werden.
Den Grünflächen im Neckartal zwischen Kirchintellinsfurt über diverse Teilorte Tübingens bis nach Rottenburg droht durch zahlreiche große und kleine Gewerbegebiete sowie die B28 neu zunehmende Verlärmung und Verinselung. Diese Entwertung unserer Landschaft wird durch unzureichende Ausgleichsmaßnahmen und schöne Biotopverbundkonzepte kaum aufgehalten und erleichtert außerdem die Durchsetzung weiterer Planungen. Lässt sich diese Spirale nach unten noch aufhalten?

...................................................................................................................................

Wachstum wohin? - Radtour des BUND Regionalverbandes zum Flächennutzungsplan Tübingen

Während sich bereits unsere Vorbereitungstour auf ausgewählte potenzielle Gewerbe- bzw. Wohnflächen im Stadtgebiet bzw. im Neckartal beschränkte, blieb man bei der offiziellen Radtour, an der trotz knapper Einladungsfrist drei GemeinderatsvertreterInnen teilnahmen, bereits in Tübingen-Derendingen "hängen". Ein Grund war die intensive und konstruktive Diskussion über den Bedarf der Überbauung neuer Flächen und die Alternativen dazu.

Besichtigt wurden die nicht bis spärlich genutzte oberste Etage des Saturn-Parkplatzes, eine gut 1 ha große Garagenreihe in Derendingen und ein seit vielen Jahren existierender, "provisorischer" Schotterparkplatz in der Fürststraße. Über eine sinnvollere Nutzung dieser Flächen war man sich einig, allerdings gingen beim Schotterparkplatz die Meinungen auseinander: Grünfläche oder neuen Wohnraum durch Nachverdichtung schaffen? Anschließend besichtigten die TeilnehmerInnen einige potenzielle Gewerbeflächen im Außenbereich: Den "Saiben", die "Kiesäcker“ (tatsächlich eine frische, reliefreiche Wiese) und den"Schelmen". Nicht nur die Naturschutzverbände, sondern auch das Stadtplanungsamt sieht bei diesen Gebieten insbesondere Bodenschutz, Hochwasserschutz, Artenschutz und/ oder Erholungsfunktion gefährdet. VertreterInnen von BUND und Naturfreunde zweifelten an, dass man die eine, von der Stadtspitze geforderte Fläche von (mindestens) 10 ha für ortsansässiges Gewerbe benötigt, zumal trotz mehrfacher Nachfrage eine konkrete Antwort hinsichtlich des angeblichen Bedarfs aussteht. Weitere Radtouren zu ausgewählten Flächen sind angedacht, sinnvollerweise noch vor Beschluss des Flächennutzungsplans.

Auswirkungen der laut FNP-Entwurf geplanten Gewerbegebiete auf das Schutzgut Boden (Stand 7/2016) - eine Analyse von Martin Hofmann

Leserbrief zu "Bäume sind Bürger, aber Beschäftigte auch" (Tagblatt, 12.08.2017)

Anscheinend kann es man nicht oft genug wiederholen: Es sind im neuen Flächennutzungsplan nicht nur großflächige Eingriffe in Natur und Landschaft wie beim Aubrunnen oder Schelmen und Saiben vorgesehen! Auch wenn das Tagblatt sowie die geplante Umfrage der Stadtspitze das suggerieren. Gemäß dem städtischen "Steckbrief Gewerbe" wird fast jedem Teilort (ähnlich wie bei den großzügigen "Ein- bis "Wenigfamilienhaus"- Planungen) die Umwandlung von einigen Hektar Grün- in Gewerbefläche zugesagt. Bei einer Radtour (die als Vorexkursion für eine öffentliche Veranstaltung diente) konnten sich Mitglieder des BUND nicht nur ein Bild vom geplanten, landschaftsfressenden Keil im Saiben, sondern auch von für Gewerbe vorgesehenen Wiesen, Ruderalflächen und Äckern in Kilchberg, Bühl und Hirschau machen. Einige Planungen sind aus BUND-Sicht vertretbar, andere würden die Vernichtung von wertvollen Böden, Überschwermmungsflächen und Biotopen bedeuten. Wir sahen auf unserer Tour außerdem Garagenreihen, große, maximal einstöckig genutzte Gewerbeflächen, Parkplätze und Baulücken. Das sind alles Flächen, die man mit Recherche und Setzen von Anreizen besser nutzen könnte, um innovativen Firmen wie BFO (welche ja dazu beitragen kann, künftig Verkehrsflächen einzusparen bzw. umzuwidmen!) Platz in Tübingen zur Verfügung zu stellen. Im Übrigen gab es in der Region den guten Ansatz des "regionalen Gewerbeflächenpools"

Max Blon, Barbara Lupp (BUND RV Neckar-Alb)

---------------------------------------------------------------------------------------------------------

Leserbrief zur Baulanderschließung in Teilorten Tübingens, Bericht im Tagblatt vom 29.07.2017

Etwas mehr Recherche und weniger bloße Wiedergabe von Aussagen diverser Kommunalvertreter, Geschäftsführer etc. täten der Qualität des Lokalteils gut.
Dies fiel mir zum Beispiel beim Artikel über die (erfreuliche) Abfuhr der illegal deponierten Schlacke von der Erddeponie „Saurer Spitz", beim jüngsten Artikel über den Scheibengipfeltunnel und zuletzt beim Bericht aus dem Gemeinderat über die geplanten Neubaugebiete in den Teilorten Tübingens auf. Auch wenn das Zwischenerwerbsmodell im Prinzip begrüßenswert ist, werden wichtige Aspekte dieser Planungen nicht erwähnt. Erstens sind in Hirschau, Bühl, Hagelloch usw. vorwiegend Einfamilien- oder Doppelhäuser geplant. Eine nicht mehr zeitgemäße Bauart, die den Rohstoff-, Energie- und Landschaftsverbrauch fördert, außerdem vermutlich nicht den Bedarf an bezahlbarem Wohnraum stillt.

Und zweitens gibt es in den meisten Teilorten noch Baulücken, durch deren Erschließung man sogenannte „Arrondierungen" am Ortsrand vermeiden könnte. Übrigens handelt es sich bei den geplanten Baugebieten laut Flächennutzungsplan (FNP) entgegen Oberbürgermeister Palmers Aussage keineswegs um „Baulücken" (Zitat), sondern um Neuerschließungen im Außenbereich. Erstaunlich, dass das Regierungspräsidium Tübingen diesen Bebauungsplänen anscheinend bereits zustimmt, bevor der neue FNP inklusive Umweltbericht beschlossen worden ist - verkehrte Welt?

Barbara Lupp (BUND RV NA)

 

 

----------------------------------------------------------------------------------------------------------

Kommentar zum Artikel: Ein Jahrhundertprojekt - Das Uniklinikum Tübingen wird über Jahrzehnte völlig umgebaut werden.

Blick auf den Steinenberg - Foto: Barbara Lupp

Hier finden sie den Kommentar zum Artikel "Ein Jahrhundertprojekt" des Tagblatts vom 19.07.2016. Dieser ist auch online auf der Website der Zeitung verfügbar.

Und wieder ein Exklusivbericht des Chefredakteurs über die Planungen von UKT und Stadt: „Der größte Teil wird strenger geschützt als bisher ... Es gab einen Zielkonflikt zwischen Erweiterungsbedarf und ... Naturschutz“ mit angeblich „gutem Kompromiss“. Er kam jedoch meines Wissens ohne Beteiligung des Naturschutzes zustande. Sind aufgrund dieses Deals Stellungnahmen zum Flächennutzungsplan überflüssig? Und eindeutige Hinweise in dem von der Stadt in Auftrag gegebenen Umweltgutachten wie „Aufgrund der ... Bedeutung des Steinenbergs ... und des geringen Umfangs der verbliebenen unbebauten Fläche, wäre selbst bei einer reduzierten Flächeninanspruchnahme von einer erheblichen Störung der lokalen Populationen auszugehen“ Makulatur?

Zum „absoluten Versprechen“ Bambergs: Nicht selten versprechen sich Planer beziehungsweise Kommunalpolitiker und setzen aufgrund sogenannter Sachzwänge oder geänderter Rahmenbedingungen weitere Eingriffe, sogar auf Ausgleichsflächen, durch. Die daraus folgende Entwertung, aber auch eine schlechte Datenlage fördern die Abwärtsspirale. Hierzu passt, dass das städtische Ökokonto (eine Art „Gedächtnis“ der Eingriffs- und Ausgleichsmaßnahmen) mangels Fachpersonal kaum noch gepflegt wird.

Freude über nicht noch mehr Parkplätze? Es wurde ja auch erst ein neues Parkhaus auf den Steinenberg „gepflanzt“!

Zur Erkenntnis „Es geht (beim UKT) nicht um schmutzige Industrie“: Stimmt. Diese produziert nicht mehr im Ländle, sondern zum Beispiel in Indien Antibiotika mit minimalen Umweltauflagen (auch) für uns.

---------------------------------------------------------------------------------------------------

Stellungnahme und Information der Bürgerinitiative Käsenbachtal zur geplanten Bebauung der Sarchhalde/Käsenbachtal im Rahmen des FNP.

---------------------------------------------------------------------------------------------------

Leserbriefe vom 17. Juni 2017 bezüglich der Artikel "Bebaubare Flächen stark reduziert" (31.5.17) und "Frischluft und Hochwasserschutz" (7.6.17) zum FNP Pfullingen finden Sie hier

Die Pressemitteilung des BUND Kreisverband Reutlingen zur geplanten Bebauung im Arbachtal können Sie hier einsehen. Dazu der passende Link in den RN

---------------------------------------------------------------------------------------------------

Leserbrief zum Artikel im Tagblatt „Die Umwelt steht Tübinger Gewerbe nicht im Weg“ (Juni 2017)

www.tagblatt.de/Nachrichten/Die-Umwelt-steht-dem-Tuebinger-Gewerbe-nicht-im-Weg-334258.html

--------------------------------------------------------------------------------------------------------------

Im folgenden Positionspapier des BUND Regionalverband Neckar-Alb wurden die Auswirkungen der im Rahmen des neuen Flächennutzungsplans geplanten Gewerbegebiete auf das Schutzgut „Boden“ analysiert.

Das Positionspapier finden Sie hier. 



Die Umwelt braucht uns und wir brauchen Sie

...damit wir uns unabhängig und überparteilich für Natur und Umwelt engagieren können

Bankverbindung des BUND RV Neckar-Alb bei der BW Bank:

DE34 6005 0101 0004 6033 55

(SOLADEST600)

Spenden sind von der Steuer absetzbar

Herzlichen Dank!

Nach oben

Termine / Newsletterabo

Interesse am regionalen BUND-Newsletter (ca. 10x/ Jahr)?

27. November 2017

30 Jahre Brundtland-Bericht: Eine Bilanz zur Nachhaltigen Entwicklung aus zivilgesellschaftlicher Perspektive

 Im Rahmen der Studium Generale der Universität Tübingen hält die Vorsitzende des BUND-Landesverbandes Baden Württemberg Brigitte Dahlbender einen Vortrag zur Nachhaltigen Entwicklung.

Mehr zur Studium Generale: ---->

Der BUND Kreisverband Zollernalb hat sein Veranstaltungsprogramm für 2017 herausgegeben - zwischen Februar und November geht es u.a. um Schwedisch Lappland, Nachtfalter und Pilze. Schau doch mal vorbei!

Besitzen Sie alte Handys, sowie DVDs und CDs? Diese können Sie bei uns abgeben.

Suche

Folgen sie uns auf Twitter

Wir bedanken uns bei der Stadt Tübingen für die Förderung der Arbeit der BUND Geschäftsstelle

Wir bedanken uns herzlich bei der Jugend- und Seniorenstiftung der Kreissparkasse Tübingen, den Stadtwerken Tübingen sowie der Stiftung der Landesbank Baden-Württemberg für die Unterstützung unserer Umweltbildungsprojekte.

Wir bedanken uns herzlich bei der Firma Rongen Natursteinrecycling (www.natursteinpark.de) für die Unterstützung unserer Umweltbildungsaktionen

Wir bedanken uns bei der Firma LUMITRONIX (www.leds.de) für die Unterstützung der Ausstattung der BUND-Geschäftsstelle.