Distributionszentrum Boss/Permira

Gemeinderatssitzung zum Thema / Stellungnahme BUND

Heute haben Sie in der Gemeinderatssitzung eine schwierige Entscheidung zu treffen: Votieren Sie für Metzingen, indem Sie das Distributionszentrum der Firma Boss/Permira ablehnen oder für Metzingen, indem Sie dessen Bau zustimmen?

In engem Kontakt mit anderen Naturschutzverbänden, nach Telefonaten mit Stadtplanern und weiteren Fachleuten und nach dem Besuch der Bürgerversammlung durch BUND-Mitglieder möchte ich im Auftrag des BUND auf folgende Aspekte hinweisen:

1. Natur und Landschaft: Ein Gebäude diesen Ausmaßes passt nicht zum Biosphärengebiet Schwäbische Alb und nicht in das obere Ermstal - Entwicklungszone hin und Verknüpfung urban - ländlich her! Die angedachte "Eingrünung" der Fassade ändert an dieser Tatsache nur wenig. Durch das Distributionszentrum würden Ackerfluren zerstört und in die Grundwasserströme bzw. in das Fließgewässer Wangenbach eingegriffen. Aus naturschutzfachlicher Sicht sind die geplanten Ersatzmaßnahmen Dachbegrünung und kleinräumliche Gewässerentwicklung unzureichend und nicht als Ausgleich akzeptabel.

2. Klimaschutz:
a) Zum Energieverbrauch und zur Installation von PV-Anlagen (vs. Dachbegrünung) wurden wider-sprüchliche Aussagen gemacht. Ob sie mit den Zielen Metzingens hinsichtlich der rationellen Energieverwendung, des Einsatzes von regenerativen Energien und des ökologisch sinnvollen Wirtschaftens vereinbar sind, ist zumindest fraglich.
b) Klimagutachten: Die Splittung der im Klimagutachten geforderten Kaltluftschneise von 80 m in zwei Flächen à 40 m ist zu hinterfragen, zumal diese dann über eine vielbefahrene Erschließungs-straße (Lechler mit 3-Schicht-Betrieb, Boss mit 2-Schicht-Betrieb) und einen Parkplatz führen
werden. Die über der versiegelten Fläche aufgewärmte Luft würde samt Schadstoffen Richtung Erms und Innenstadt verfrachtet.

3. Verkehr: Das Verkehrsaufkommen von (nur) 40 LKW pro Tag ist nicht glaubhaft, da dort ca. 4 Millionen Teile zwischengelagert werden.

4. Arbeitsplätze/ Gewerbesteuer versus Flächenverbrauch: Auch Ihnen wird bekannt sein, dass viele der angeblich "neuen" Arbeitsplätze aufgrund von Arbeitsplatzverlagerungen von anderen Boss-Standorten nach Metzingen kommen. Die Firma Boss ist und bleibt hoffentlich noch lange ein bedeutender Wirtschaftsfaktor für die Stadt Metzingen und in der Region. Allerdings spricht die aktuelle Firmenpolitik nicht dafür mehr als 52.000 qm Fläche zu überbauen und die natürliche Ressource Boden praktisch unwiederbringlich zu zerstören. Wenn Boss bzw. das global operierende Private Equity-Unternehmen Permira auf ein Gebäudekomplex diesen Ausmaßes besteht, dann stellt sich tatsächlich die Frage, ob Neuhausen/ Metzingen der geeignete Standort ist, oder ob es in der Region nicht bereits erschlossene bzw. geeignetere Gewerbeflächen gibt, die sich für diese Nut-zung eignen.

Aufgabe eines Gemeinderates ist es, verlässliche Richtlinien für die Stadtentwicklung zu formulieren und umzusetzen; nicht nur im Hinblick auf einzelne Investoren, sondern - gerade im Biosphärengebiet - auch unter dem Aspekt der nachhaltigen Entwicklung von Natur- und Umweltschutz, Landwirtschaft, Tourismus und Naherholung und nicht zuletzt der eigenen Bevölkerung.

Ich wünsche Ihnen bei der Gemeinderatssitzung eine konstruktive Diskussion und eine Entscheidung, mit der die Gemeinde Metzingen und die Region langfristig leben können.



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