BUND zur Daimler-Plänen einer Teststrecke auf dem Einsiedel: „Alternativen prüfen!“

Der Regionalverband Neckar-Alb nimmt Stellung zu den neuen Teststreckenplänen des Automobilhersteller Daimler
Der BUND (Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland) fordert generell den Schutz unverbauter Flächen. Nicht umsonst habe schon die alte Landesregierung das Ziel eines „Netto-Nullverbrauchs“ ausgerufen. Es gäbe mancherorts bereits mehr Bedarf als Fläche um Lebens- und Futtermittel anzubauen, Grundstoffe für die energetische Verwertung zu gewinnen, für den Arten- und Biotopschutz, den Schutz des Grundwassers, des Klimas sowie für Landschaftsbild und Erholung.

Sämtliche Alternativen prüfen
Schon im Hinblick auf das naturschutzrechtliche Vermeidungsgebot, so der BUND, seien sämtliche denkbaren Alternativen zur Teststrecke auf dem Einsiedel ergebnisoffen zu prüfen. Hierzu zählt der BUND zum einen die Mitnutzung bestehender Teststrecken anderer Hersteller bzw. die gemeinsame Nutzung von angepachteten Teststrecken (wie dies z. B. auf der Panzerringstraße des ehemaligen Truppenübungsplatzes Münsingen und des Alten Lagers bereits der Fall ist) oder die Nutzung nicht mehr im bisherigen Umfang benötigter Rennstrecken wie etwa des Hockenheimrings.

 Der BUND hat dabei insbesondere ehemals militärisch genutzte Liegenschaften im Visier, aber auch solche, welche die Bundeswehr im Zuge der bevorstehenden Reform demnächst aufgeben wird – allerdings unter Ausschluss ökologisch wertvoller und geschützter Flächen.

 Außerdem müssten, wo sinnvoll und möglich, Simulationen Vorrang haben. Unstrittig sei, dass die von Daimler geforderte räumliche Nähe von Testmodulen (Teststrecke – Prüfzentrum) Sinn mache, und zwar nicht nur aus wirtschaftlichen, sondern auch aus ökologischen Gründen. Gegen den kompletten Neubau einer Teststrecke spreche allerdings auch die Verpflichtung entsprechende Ausgleichs- oder Ersatzflächen zu finden. Denn der BUND stellt in Frage, dass sich in der Region geeignete Ausgleichsgebiete für einen Eingriff dieses Ausmaßes finden lassen. BUND Regionalgeschäftsführerin Barbara Lupp: “Schon jetzt fehlen im dicht besiedelten Baden-Württemberg vielerorts Flächen um Eingriffe in Natur und Landschaft durch Straßen - und Siedlungsbau auszugleichen.

In diesem Sinne begrüßt der BUND, dass Daimler nach eigener Darstellung beabsichtige, für das Vorhaben eine Ökobilanz (ökologische Schäden im Vergleich zum Nutzen) zu erstellen.

Bürgerbeteiligung
Der BUND fordert außerdem die frühzeitige Beteiligung aller betroffenen Bürgerinnen und Bürger sowie der Naturschutz-, Landwirtschafts- und Tourismusverbände – und zwar bereits im Vorfeld der formellen Genehmigungsverfahren.


Was käme bei einer Teststrecke auf dem Einsiedel unter die Räder?

a) Erholung, Natur- und Umwelt

Der Schönbuch ist seit 1972 als Naturpark eingerichtet. Gemäß §27 des Bundesnaturschutzgesetzes dient diese Kulturlandschaft unter anderem der Erholung. Der am Südrand des Schönbuchs gelegene Einsiedel wird von Wanderern, Radfahrern und anderen Erholungssuchenden intensiv genutzt. EineÜberbauung des Gebietes mit einer über 200 ha (davon voraussichtlich 40 ha komplett versiegelt) beanspruchenden Teststrecke sowie „ergänzender“ Gewerbeansiedlungen sei damit absolut nicht vereinbar. Hinzu käme der Bau einer Anbindung voraussichtlich zur B 27. Die Zerschneidung von Habitaten sowie die Tötung durch Überfahren beeinträchtigt Populationen von Hasen, Fledermäusen, Laufkäfern und anderen Tiergruppen. Auch der Hangwald am Rande des Einsiedels wäre durch die Bauphase, Teststrecke und voraussichtliche durch die Zuwegung betroffen. Da die direkt angrenzenden Wälder als EU-Vogelschutzgebiete ausgewiesen sind, würde die Planungen zurecht mit den entsprechenden Naturschutzgesetzen kollidieren. 

„Der durch Fahrgeräusche auf der Teststrecke selbst und auf der Zubringerstraße verursachte Lärm, so Dr. Thomas Goerlich (Regionalvorsitzender des BUND), „würde den Erholungswert stark mindern und möglicherweise auch Anwohner beeinträchtigen.“

Abgasemissionen führten zur Belastung der Luft sowie des lokalen und des überregionalen Klimas.

b) die Landwirtschaft

Mit dem Einsiedel stehen über dreihundert Hektarlandwirtschaftliche Nutzfläche von hervorragender Lössbodenqualität zur Verfügung.

„Wenn wir eine extensivere Landwirtschaft möchten, weniger Futtermittel aus Übersee importieren und außerdem Biomasse energetisch nutzen wollen, um die Energiewende zu meistern, müssen wir gerade in Baden-Württemberg mit unseren Freiflächen verantwortlicher umgehen und der Landwirtschaft Entwicklungschancen geben!“ so Rainer Blum. Die Landwirtschaft sei auch in einem starken Industrieland wie Baden-Württemberg ein wichtiger Wirtschaftsfaktor. „Nebenbei“ führe jeder weiterer, de facto irreversibler Verlust landwirtschaftlicher Fläche zum direkten wie indirekten Verlusten von Arbeitsplätzen. Thomas Goerlich, Vorsitzender des BUND RV Neckar-Alb stellt zudem die Frage, „ob dieser Teil des Naturparks Schönbuch seine ländliche Identität erhalten oder aufgeben wolle“.

Autos zukünftig nur noch Ergänzung zum Umweltverbund (Bahn, Bus, Fahrrad usw.)!

Der BUND sieht zum Automobilhersteller Daimler einen grundlegenden Dissens: Dem „Auto der Zukunft“ komme, so der Standpunkt des BUND, zwangsläufig mehr und mehr die Funktion zu, ein leistungsfähiges Bahn- und Busnetz zu ergänzen. Aus Gründen der Ressourcenschonung, des Klimaschutzes und der Verkehrssicherheit dürften hoch motorisierte, große Fahrzeuge im Verkehrssystem der Zukunft kaum noch Platz haben. Angesichts der bisherigen Flottenpolitik und der Aussage des Au­tomobilkonzerns, dass auch zukünftig die Fahrzeugpalette die Interessen der Kunden befriedigen solle, sei zu befürchten, dass auf der Teststrecke auch schwere, spritfressende Fahrzeuge erprobt würden. Dafür aber sei der Boden des Einsiedel eindeutig zu schade, so Lupp.

Druck auf die Entscheidungsträger bei Daimler muss bleiben!

Beim BUND ist man der Ansicht, dass die Gemeinderäte in Kirchentellinsfurt und weiterer verantwortlicher Gremien und Behörden Entscheidungen ohne Hast und nur unter Einbeziehung aller Betroffenen und Akteure treffen sollten. „Der Druck auf die Daimler-Verantwortlichen, sinnvollere Alternativen zu den bisher bekannten Standorten zu prüfen, wäre ansonsten sofort weg!“ Dies umso mehr, als man beim BUND von Anfang an den Eindruck habe, dass es vorrangig um das „Wie“ gehe, aber nicht mehr um die Grundsatzfrage, ob ein solches Mammutprojekt auf unverbautem Grund überhaupt sinnvoll sei Der BUND kritisiert in diesem Zusammenhang die Hofkammer des Hauses Württemberg, die, so scheint es, leichtfertig bereit ist Natur- und Landschaft für eine Teststrecke zu opfern.

Arbeitsplätze?

Es gilt als sicher, so der BUND, dass nur ein kleiner Teil der zugesagten Arbeitsplätze wirklich neu geschaffen werde, ein Großteil stamme lediglich von konzerninternen Verlagerungen.

Zusammenfassung:

Der Umweltverband BUND kritisiert vor allem den Verlust landwirtschaftlicher Fläche und eines wichtigen Naherholungsgebietes durch die angedachte Teststrecke auf dem Einsiedel im Naturpark Schönbuch. Zudem befürchtet der BUND weitere Eingriffe in Natur und Landschaft über das Gebiet hinaus durch mit der Teststrecke im Zusammenhang stehende Ansiedlung weiterer Gewerbeflächen und durch Zubringerstraßen.

Der BUND stellt die Frage, ob ein Projekt dieses Umfangs im Blick auf die unerlässliche Verkehrsvermeidung und Verkehrsverlagerung im Rahmen einer zukunftsfähigen Mobilität noch zeitgemäß sei. Falls die Teststrecke unvermeidbar sei, müsse es - neben des Ausbaus von Simulationsverfahren – vorrangiges Ziel sein, vorbelastete Flächen wie etwa bestehende Renn- und Teststrecken, Militär- oder Industriebrachen zu nutzen anstatt neue Flächen zu versiegeln.

 



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